Mordversuchsvorwurf gegen den Mann mit dem Bunsenbrenner bröckelt

Landgericht Osnabrück: Ansätze eines Bezichtigungskomplotts werden sichtbar

Osnabrück (kno) – Der Prozess gegen den Mann, der seine Tochter mit einem Bunsenbrenner bedroht haben soll, geht in die Verlängerung, obwohl sich der Hauptvorwurf eines Mordversuches zum Nachteil deren Freundes nach mehreren Zeugenaussagen nicht mehr aufrechterhalten lassen wird.

 

Nachdem weitere Anklagepunkte gegen den 66-Jährigen bekannt geworden sind, beschloss die 6. Große Strafkammer die neuen Verfahren mit dem laufenden Prozess zu verbinden, mit der Folge, dass im Januar 2011 an 3 zusätzlichen Tagen verhandelt werden muss.

Eigentlich wäre der ganze Fall eher eine Angelegenheit für das Amtsgericht, denn dem Angeklagten wird zwar eine Vielzahl von Gesetzesverstößen vorgeworfen, doch darunter ist nur ein Fall für das Schwurgericht des Landgerichtes: Der Mordversuch. Ansonsten handelt es sich in der Anklage um mehrfaches Fahren ohne Führerschein, Unfallflucht und Verstöße gegen das Waffengesetz.

Am 18.3.2009 soll der Angeklagte in einem Waldstück in der Nähe der Rinderbesamungsstation bei Melle, dem 38-jährigen Freund seiner 24-jährigen Tochter frühmorgens aufgelauert haben und ihn mit einem Knüppel erst vom Fahrrad und danach mehrfach damit geschlagen haben. Der Angeklagte sagt: „Ich wollte nur mit ihm reden., weil ich mit der Beziehung nicht einverstanden war.“ Der 38-Jährige gab an, er sei wohl 10-mal getroffen worden. Nach dem ersten Schlag gegen seinen Unterkiefer sei er vom Fahrrad gefallen, später habe Harald G. ihn auf den Hinterkopf geschlagen. Die Schilderung des Angeklagten, so ein Gerichtsmediziner, sei „mit den Verletzungsfolgen nur sehr schwer in Einklang zu bringen.“ Das Opfer war in einem Melleraner Krankenhaus behandelt worden und hatte den Vorfall zuerst als Arbeitsunfall gemeldet und keine Anzeige erstattet. Der Gerichtsmediziner stellte fest, dass es unwahrscheinlich sei mit einem 5 cm dicken Knüppel vom fahrenden Rad geschlagen zu werden, ohne schwere Blessuren zu haben. Im Krankenhaus waren keinerlei Gesichtsverletzungen behandelt worden. Eine Platzwunde am Hinterkopf musste zwar genäht werden, war aber auch eher untypisch für einen harten Schlag mit einem Knüppel.

Ein Zeuge sollte dem Gericht helfen, Klarheit zu schaffen und erzeugte das Gegenteil. Ein 38-jähriger Münsteraner berichtete der Kammer, dass der Angeklagte ihm gegenüber einen Angriff gegen den 38-Jährigen eingeräumt habe. Dann präsentierte er eine dritte Version: Harald G. habe den Knüppel in die Speichen des Fahrrades gesteckt, worauf es zum Sturz gekommen sei. Anschließend schilderte er als Augenzeuge ein Vorkommnis anlässlich eines gemeinsamen Ostergrillens 2009 beim Angeklagten, an dem auch dessen Tochter und deren Freund teilnahmen. Der Angeklagte sei nach reichlich Wodkagenuss in Rage geraten, habe eine Pistole geholt und zweimal in die Luft geschossen. Dann habe er zum Freund gesagt: „Wenn du jetzt nicht gehst, knall ich dich ab.“ Kein Wort von diesen Schüssen stand in einer schriftlichen Erklärung des Zeugen, die in einigen Passagen wörtlich aus der Aussage der Tochter bezüglich des Vorfalles stammten. Der Zeuge musste eingestehen, dass er die belastenden Zeilen abgeschrieben habe. Ein Prozessbeteiligter sprach davon, „dass in Ansätzen ein Bezichtigungskomplott sichtbar werde“. Für Verteidiger Gerhard Schulze ist der Mordversuchsvorwurf jedenfalls vom Tisch. Er will die kommenden Tage nutzen, um mit seinem Mandanten die neuen Anklagepunkte zu besprechen. Soweit bekannt wurde, handelt es sich dabei wieder um das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Fortsetzung 14.12.2010

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