Ohne Führerschein: James Bond Fahrt durch Hellern

Landgericht Osnabrück: Weitere Anklagen im Bunsenbrennerfall.

Osnabrück (kno) – Das neue Jahr begann für Harald G., der sich wegen eines Mordversuches gegen den Freund seiner Tochter vor dem Landgericht Osnabrück verantworten muss, nicht gut. Da nach der Anklageerhebung weitere Rechtsverstöße aktenkundig geworden waren, entschloss sich das Schwurgericht die Fälle zu verbinden.

 

Hauptvorwürfe bisher: Im März 2009 ein Angriff mit einem Knüppel auf den zur Arbeit radelnden Freund seiner Tochter (24 J.) und eine Attacke auf die 24-Jährige mit einem Bunsenbrenner. Hinzu kommen zahlreiche Fahrten mit Autos und Rollern ohne Führerschein, eine Unfallflucht und unerlaubter Waffenbesitz.

 

 

In den neuen Fällen geht es wieder um mehrere Autofahrten, die der 66-jährige ohne Führerschein, und diesmal ohne Versicherungsschutz, gemacht haben soll. Der schwerwiegenster Vorwurf allerdings: Harald G. soll fast einen Polizisten überfahren haben.

Seit 1971 ist Harald G. nicht mehr im Besitz eines Führerscheines, doch das hindert ihn offensichtlich nicht daran aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen. Am 23.9.2010 wurde er auf der Iburgerstraße mit einem geliehenen Auto geblitzt. Das Knöllchen, was ihm von der Halterin des Fahrzeuges übergeben wurde, bezahlte er schnell, wohl in der Hoffnung, dass es damit erledigt sei.

Doch weil er wenige Tage später erneut mit zu hoher Geschwindigkeit vor einer Schule in Hellern durch eine Tempo 30 Zone fuhr, fiel er einem Polizeibeamten auf, wie dieser dem Gericht berichtete. Er merkte sich das Kennzeichen des Fahrzeuges und recherchierte. In den Akten stieß er auf das Gesicht von Harald G. Am 11.10.2010 sah der Beamte den 66-Jährigen erneut als Fahrzeugführer eines Audi auf der Lengericher Landstraße in Hellern. Der Polizist stellte sich auf die Straße und gab dem Fahrer ein Zeichen zum Anhalten. Doch Harald G. dachte gar nicht daran. Er fuhr einfach weiter. Der Polizist gab an, dass er einen Sprung zu Seite machen musste, um nicht überfahren zu werden. Anschließend sei er mit seinem Streifenwagen dem Flüchtenden durch ein Wohngebiet gefolgt. Dabei hätten beide Fahrzeuge Spitzengeschwindigkeiten von 120 km/h erreicht! Schließlich sei sein Fahrzeug in einer Sackgasse „blockiert“ gewesen, so dass er die Verfolgung abbrechen musste.

Harald G. erklärte, dass er zwar weitergefahren sei, doch er habe weder versucht, den Polizisten umzufahren, noch habe es die geschilderte Verfolgungsjagd mit den genannten Geschwindigkeiten gegeben. Doch es gibt Zeugen. Harald G. war in Begleitung einer Frau und deren neuem Vermieter. Für die 43-jährige Hausfrau wollte er einen Umzug machen, wofür er einen Roller für seine Tochter erhalten sollte. Für die beiden unbeteiligten Insassen wurde es eine Horrorfahrt. Die Hausfrau konnte die Vielzahl der Eindrücke kaum in Worte kleiden: „Ich wurde hin- und hergeworfen.“ Auf die Frage, ob der Polizist zur Seite springen musste, fand sie zunächst keine klare Antwort. Erst als die beisitzende Richterin sie befragte, sagte sie: „Ja, er ist zur Seite gesprungen.“ Genau das bestätigte auch der 67-jährige Vermieter.

Die Frau, die Harald G. den unversicherten Audi geliehen hatte, erklärte vor Gericht: „Ich habe nie damit gerechnet, dass dieser Mensch da (der Angeklagte) mit meinem Auto James Bond spielt.“ Sie habe nicht gewusst, dass die Versicherung erloschen sei. Seltsam nur: Harald G. hatte den Insassen den fehlenden Versicherungsschutz als Grund für seine Flucht angegeben.

Fortsetzung, 11.1.2011 um 9 Uhr.

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