Unbelehrbarer 66-jähriger: 41 Urteile bisher

Landgericht Osnabrück: Zu 19 Jahren Haft kommen weitere 3,5 hinzu

Osnabrück (kno) – Manche Prozesse entwickeln sich überraschend. Das zeigte sich wieder einmal in einer Verhandlung wegen versuchten Mordes gegen einen 66-Jährigen. Nach der Anklageverlesung konnte man den Eindruck gewinnen, dass ein Rentner auf seine alten Tage noch auf Abwege geraten sei.

 

Zahlreiche Verstöße wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis wurden ihm vorgeworfen, hinzu kamen Unfallflucht und unerlaubter Waffenbesitz. Hauptvorwürfe: 2 Angriffe auf seine Töchter - einen davon mit einem Bunsenbrenner - und ein Mordversuch an dem Freund seiner 24-jährigen Tochter. Nur deshalb landete der Fall vor dem Schwurgericht.

 

 

Im Laufe der 5-tägigen Verhandlung zeigte sich dann, dass der angeklagte Harald G. ein unbelehrbarer Krimineller ist, der seit seinem 14. Lebensjahr im Jahre 1961 vierzig mal vor Gericht gestanden und insgesamt 19 Jahre hinter Gittern verbracht hat. Unzählige Male wurde in den bisherigen Anklagen das Fahren ohne Fahrerlaubnis genannt. 1969 kam es zu einer fahrlässigen Tötung. Darüber hinaus war der Angeklagte als Urkundenfälscher, Betrüger und Dieb aktiv. Auch vor Körperverletzungen schreckte er nicht zurück. 2008 kam er bisher zum letzten Mal aus der Haft. Jetzt lagen wieder 5 Anklageschriften auf dem Richtertisch, eine weitere kam während des laufenden Verfahrens noch hinzu. Angesichts der absehbaren Verurteilung wegen der Hauptvorwürfe, stellte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwältin eine Vielzahl von Anklagepunkten vorläufig ein. Es blieb unter anderem der Vorwurf des versuchten Mordes. Das Opfer des Vorfalls hatte als Zeuge ausgesagt, er sei morgens um 4.45 Uhr auf dem Arbeitsweg von Harald G. mit einem Knüppel vom Fahrrad geschlagen worden, danach mehrfach am Körper und am Hinterkopf getroffen worden. Doch da hatte der Zeuge wohl, vorsichtig ausgedrückt, etwas übertrieben. Die Verletzungsspuren ließen sich mit seiner Schilderung nicht in Einklang bringen, stellte ein Gerichtsmediziner fest. Und selbst die Tochter des Angeklagten zeigte im Verfahren eine Belastungstendenz, sie schrieb für einen anderen Zeugen eine Aussage. Den Vorwurf der Angeklagte habe versucht, bei einer Verkehrskontrolle in Hellern einen Polizeibeamten umzufahren, bewertete das Gericht nicht als versuchte Körperverletzung, weil der Beamte nicht akut gefährdet war.

Der Verteidiger des Angeklagten musste vor seinem Plädoyer erst mal sortieren, stapelte Akten hin- und her und fasste schließlich zusammen, was übrig geblieben war: „6 mal Fahren ohne Fahrerlaubnis, ein Verstoß gegen das Waffengesetz, eine vorsätzliche und eine fahrlässige Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Nötigung.“ Nachdem die Staatsanwältin die Summe der Einzelstrafen für die verbliebenen 11 Taten mit 100 Monaten genannt hatte, aus denen sie eine Gesamtstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten bildete, wollte auch der Verteidiger nicht mehr auf eine Bewährungsstrafe plädieren. Er bat aber um ein mildes Urteil, damit sein Mandant noch eine Perspektive habe.

Doch das Gericht erkannte, dass der Angeklagten schon oftmals seine Perspektiven nicht genutzt hatte und verhängte die beantragten dreieinhalb Jahre Haft für den Unbelehrbaren. Außerdem soll er nie wieder eine Fahrererlaubnis erhalten. Die hatte er seit 1971 ohnehin nicht.

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