Bewährungsstrafe nach lebensgefährlichen Messerstichen

Landgericht Osnabrück: Das war ein teurer Hamburger

Osnabrück (kno) – Was sich genau in der am Sonntagmorgen um 5 Uhr des 20.12.2008 bei McDonalds an der Pagenstecherstrasse abgespielt hat, wurde in einem Prozess wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Osnabrück nicht deutlich.

 

Immerhin: Bereits nach 8 Zeugen, wovon 3 nicht aussagten, weil sie an der zur Rede stehenden Auseinandersetzung beteiligt waren und sich vielleicht selber hätten bezichtigen müssen, konnte die Staatsanwältin feststellen: „Es ist ja klar, wer gestochen hat.“ So wie sie, verzichtete auch Verteidiger Klaus Rüther auf die Anhörung von weiteren Zeugen: „Es wird ja immer unübersichtlicher.“ Nach einer geständigen Einlassung seines Mandanten konnte so ein der Prozess, für den 9 Verhandlungstage angesetzt waren, erheblich verkürzt werden. Nach der Beweisaufnahme ergab sich folgendes Bild:

An den Außenschaltern der McDonalds Filiale traf eine Gruppe von 4 Personen in einem Mietwagen, darunter der 29-jährige Angeklagte Tulus L. auf eine Gruppe von 4 Russlanddeutschen, die zu Fuß unterwegs war. Aus dem Mietwagen heraus, kam es zu einer ersten verbalen Auseinandersetzung mit dem klassischen Anmachspruch: „Was guckst du so blöd?“ Kurz darauf verließen die Insassen den Wagen. Es entwickelte sich erste Prügelei. Diese Szene wurde von den beiden späteren Opfern beobachtet, sie näherten sich dem Geschehen. Der Angeklagte habe dann gesagt: „Pass auf ich bin Zigeuner. Ich habe ein Messer. Ich stech´ sofort zu,“ berichtete der 23-jährige Marinesoldat, der nach einer Rangelei überhaupt nicht mitbekam, dass er dann in den Hinterkopf gestochen wurde. Als im sein Begleiter zu Hilfe kommen wollte, warf ihm der Angeklagte seine Jacke über den Kopf. Am Boden liegend wurde der 27-jährige dann von 5 Messerstichen getroffen. 3 Stiche erhielt er in die untere Köpervorderseite und zwei weitere in den Hals. Eine Gerichtsmedizinerin stellte fest: „Die Drosselschlagader am Schlüsselbein wurde getroffen.“ Es habe die lebensbedrohliche Gefahr einer Embolie bestanden. Die vom Personal des Schnellimbisses herbei gerufene Polizei und Ambulanz machten dem Treiben ein Ende. Die Verletzten kamen ins Krankenhaus. Wieso er denn ein Messer dabei gehabt habe, wurde der Angeklagte vom Vorsitzenden gefragt. Er sei am Vortag angeln gewesen, gab der 29-Jährige an. Das Klappmesser mit einer 7 cm langen Klinge war von der Polizei sichergestellt worden. Es ließen sich DNA-Spuren der Opfer und des Täters daran nachweisen. In ihrem Plädoyer hob die Oberstaatsanwältin hervor, dass nicht nur die geständige Einlassung zu einer Milderung ihres Strafantrages führe. Der 29-Jährige habe auch ein 9-stündiges Antiaggressionstraining absolviert, sei seit 2008 nicht mehr auffällig geworden und habe wie die anderen Beteiligten unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden. Außerdem müsse man ihm zugute halten, dass er den beiden Opfern die Zahlung eines Schmerzensgeldes schriftlich zugesichert hat. Die Zahlung des Schmerzensgeldes war vom Verteidiger im Vorfeld der Verhandlung in die Wege geleitet worden. Der Mann mit der Halsverletzung erhält 5000 Euro, sein Begleiter 3000 Euro. „Weshalb es die beiden Opfer getroffen hat, ist nicht klar geworden,“ sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Da der Angeklagte durch die Zahlung eines Schmerzensgeldes tätige Reue gezeigt hätte, könne in diesem Fall noch einmal eine 2-jährige Bewährungsstrafe ausgesprochen werden, auch wenn der Angeklagte 2008 bereits wegen Körperverletzung zu einer Strafe verurteilt worden war. Ungefähr 20000 Euro wird den Angeklagten das Verfahren kosten. Sein Anwalt fasste zusammen: „Das war ein teurer Hamburger.“

 

 

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