Emotionale Achterbahn endete im Totschlag

Landgericht Osnabrück: 11 Jahre Haft für Waldemar E. aus GM-Hütte

Osnabrück (kno) – Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Große Sitzungssaal des Landgerichts Osnabrück als die 6. Große Strafkammer das Urteil gegen den 47-jährigen Waldemar E. aus GM-Hütte verkündete. Wegen Totschlages soll der Angeklagte für 11 Jahre in Haft. Am frühen Morgen des 26.10.2010 hatte er seine 43-jährige Ehefrau Olga mit einem Messer umgebracht und sich danach der Polizei gestellt.

 

Ausführlich ging der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung noch einmal auf die „emotionale Achterbahn“ des Angeklagten ein, an deren Ende die Bluttat stand. Das Ehepaar war 1993 mit 2 Kindern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Von Zeugen wurde der Angeklagte als dominant beschrieben. Es kam zu mehreren Trennungen, wonach der Angeklagte jeweils neue Wohnungen bezog. Immer wieder kam es aber auch zu Versöhnungen. Als der Angeklagte ein neues Haus baute, half ihm ein verheirateter Landsmann, der später ein Verhältnis mit der Ehefrau Olga begann. Erneut kam es zu einem Zerwürfnis, dem eine Versöhnung folgte. Ganz energisch mischte sich die Tochter des Paares mehrmals in deren Beziehung ein. Nachdem die Eltern sich erneut zusammengerauft hatten, intervenierte sie und warf den Vater aus der Wohnung. Dieser suchte über eine Kontaktanzeige eine neue Frau. Das passte seiner Ehefrau nicht. Obwohl sie zu derzeit schon mit ihrem neuen Lebenspartner, dem Bauhelfer zusammenwohnte, randalierte sie vor dem Reihenhaus ihres Mannes und sorgte dafür, dass die neue Partnerin verschwand. Erneut verbrachten beide ein Wochenende zusammen und feierten seinen Geburtstag. Sie schenkte ihm erotische Fotos von sich und signierte diese: „Für dich mein liebster Mann“. Waldemar E. rief am folgenden Tag seine Rechtsanwältin an und erklärte, der begonnene Rechtsstreit über Versorgungsansprüche sei erledigt, man habe sich versöhnt.Waldemar E. mit Rechtsanwältin Sandra Töniges, Dolmetscherin Lydia Rausch und Rechtsanwalt Jens Meggers Doch schon am Nachmittag musste er wieder anrufen: Seine Frau hatte sich nun endgültig von ihm getrennt. Mit ihren Sachen, dem Auto und den Fotos war sie ausgezogen. Auf dem Tisch lag ein Zettel. Waldemar E. lauerte ihr bei der Arbeit und an ihrer neuen Wohnung auf, um mit ihr zu sprechen, häufig rief er an. Die Ehefrau bat die Polizei um eine „Gefährdungsansprache“. Doch davon ließ sich der Angeklagte nicht beeindrucken. Er beobachtete seine Frau und ihren neuen Partner bei „sexuellen Handlungen auf dem Sofa“. Sein Aussichtspunkt: Ein Baum. Um besser sehen zu können, kaufte er eigens eine Axt, um Äste zu beseitigen. Diese Axt vergaß er am Vorabend des 26.10.2010 am Tatort. Am frühen Morgen des folgenden Tages verließ er seine Wohnung, um ihr erneut aufzulauern- Er zog Lederhandschuhe an und steckte ein 32 cm langes Messer ein. Dieses Messer, so das Gericht, habe er mit genommen, um seine Frau zu töten, falls das angestrebte Gespräch nicht zum gewünschten Erfolg führen würde. Als seine Frau ihr Auto bestieg, habe er sich auf den Beifahrersitz gesetzt. Nach einer verbalen Auseinandersetzung erfolgte dann erst ein Faustschlag, dann der Einsatz des Messers. Als seine Frau flüchtete, folgte ihr der Angeklagte und schnitt ihr neben dem Auto die Kehle durch. Der Angeklagte habe bei der Tötung zielgerichtet gehandelt, so das Gericht. Die beiden möglichen Mordmerkmale „Heimtücke“ und „niedrige Beweggründe“ konnte die Kammer nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, da der zeitliche Ablauf des Geschehens und der Zeitpunkt des Tatentschlusses nicht feststand. Von einer Affekttat ging das Gericht, anders als die Verteidigung nicht aus: „Die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten war nicht beeinträchtigt.“

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