Die Nacht der Messer an der Atterstraße

Landgericht Osnabrück: Führte Streit um geklaute Drogen zu den tödlichen Stichen?

Osnabrück (kno) – Ein 44-jähriger Mann muss sich zur Zeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen Mordes verantworten. Igor P. soll laut Anklage in der Nacht des 27.2.2011 an der Atterstrasse seinen Mitbewohner nach einer verbalen Auseinandersetzung mit zwei Messerstichen tödlich verletzt haben.

 

Anders als geplant, verlief der erste Prozesstag: Ein Schöffe kam 90 Minuten zu spät und 2 Tatzeugen erschienen überhaupt nicht. Außerdem konnte eine Videorekonstruktion der Tat, welche die Polizei nach einer Zeugenaussage erstellt hatte, vorerst nicht gezeigt werden, weil der Verteidiger gegen die Präsentation zu diesem frühen Zeitpunkt widersprach.

 

 

In gebrochenem, aber durchaus verständlichem Deutsch schilderte der Angeklagte seinen Werdegang und anschließend die Ereignisse in der Tatnacht. Nach einer Ausbildung zum Radioelektroniker sei er in der Ukraine erst für 3 Jahre zur Armee gegangen. Dann sei er desertiert und habe 1991 in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Bereits einmal, so räumte er ein, sei er wegen schweren Raubes zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Irgendwann habe sich sein Alkoholkonsum gesteigert, aber „Drogen haben die führende Rolle gespielt.“ Bis in die Tatnacht habe er regelmäßig Heroin geraucht und sich aus Kokain selber „Crack“ hergestellt. Über die Herkunft des Geldes für den Ankauf der Drogen wollte der Angeklagte, der lediglich Sozialhilfe in Anspruch nimmt, keine Angaben machen. Es habe ihm im Monat ungefähr 1000 Euro zur Verfügung gestanden. In der Woche vor dem verhängnisvollen Samstag habe er, so der schilderte er dem Gericht, neben den konsumierten „Narkotika“ mit einem Freund 14 Flaschen Vodka geleert. Am Abend des 27.2. sei auch sein kurdischer Mitbewohner Khamal H. in seinem Zimmer gewesen und habe mitgetrunken. Vor Mitternacht sei es dann zu einem Streit gekommen, weil der Mitbewohner nicht gehen wollte, obwohl er, Igor P. deutlich gemacht habe, dass er und sein Freund ihrer Ruhe haben wollten. Es sei erst zu Beleidigungen gekommen, dann habe Khamal H. plötzlich Geld verlangt und zur Unterstützung seiner Forderung ein Küchenmesser geholt. Ob die Geldforderung mit verschwunden Drogen aus dem Besitz des späteren Opfers beruhten, konnte Igor P. nicht genau schildern, er sei am Vortag aber des Diebstahls von LSD und Amphetaminen bezichtigt worden. Nachdem der Angeklagte 200 Euro auf den Flur geworfen habe, sei die geforderte Summe auf 800 weitere Euro erhöht worden. Er habe sich einverstanden erklärt wöchentlich 200 Euro zu zahlen und darüber hinaus regelmäßig die gesamte Wohnung zu putzen. Diese Einverständniserklärung habe er, so Igor P. gegeben, um Ruhe zu haben. Doch sein Mitbewohner bedrohte ihn weiter, zerrte ihn in die Küche, schlug ihn und verlangte jetzt die gesamte Summe. Zwischenzeitlich hatte Khamal H., laut Angeklagtem das Küchenmesser ins Bad geworfen. Man sei wieder in sein Zimmer gegangen, wo der Kurde plötzlich ein Klappmesser gezogen habe. Dann, so räumte der Angeklagte ein, habe er ein Messer vom Tisch genommen und damit innerhalb von wenigen Sekunden zweimal auf den Angreifer eingestochen. Nachdem dieser blutend auf einem Sofa zusammengesackt sei, habe er die Wohnung verlassen und den Rest der Nacht im Natruper Holz geschlafen. Am 28.2. sei er dann verhaftet worden. Gegen die beiden Tatzeugen, die am ersten Prozesstag nicht erschienen sind, wurde ein Ordnungsgeld von 100 Euro  verhängt. Außerdem sollen sie am kommenden Verhandlungstag, dem 1.9. gegebenenfalls vorgeführt werden.

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