Mordprozess Atterstrasse: Zahl der Messer und Dolmetscher steigt

Landgericht Osnabrück: Trinkpause zum Rauchen genutzt

Osnabrück (kno) – Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen Igor P. bröckelte die Mordanklage. Dem 44-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor in der Nacht des 27.2.2011 seinen Mitbewohner Khamal mit 2 Messerstichen in Tötungsabsicht so schwer verletzt zu haben, dass er noch in der Tatwohnung verstarb. Der Angeklagte soll nach einer verbalen Auseinandersetzung eine Situation herbeigeführt haben, in der das spätere Opfer arglos gewesen sei. Diese Version wird sich nach der Einvernahme von 2 Tatzeugen nur schwerlich aufrechterhalten lassen.

 

Der Verteidiger von Igor P., Thomas Klein geht von einer Notwehrsituation seines Mandanten aus. Ein 34-jähriger Zechkumpane des Angeklagten berichtete als Zeuge von der Vorgeschichte der Tat. Schon seit Tagen habe er mit Igor P. zusammen viele Flaschen Vodka und Bier getrunken. Er sei in einer „Trinkphase“ gewesen. Ob es denn auch Trinkpausen gegen habe, wollte der Vorsitzende Richter wissen. „Ja, die gab es“, antwortete der Zeuge: „Das waren Zigarettenpausen.“ Auf Nachfrage gab er auch zu, dass der 44-Jährige Kokain zu sich genommen habe. Der Mitbewohner Khamal habe seit 2 Tagen mitgetrunken, berichtete der Zeuge weiter. Am Spätabend des 26.2 habe es dann einen Streit gegeben. Beide Kontrahenten hätte sich mit Messern bedroht. Erst habe Khamal eines aus der Küche geholt, dann im Badezimmer demonstrativ ins Waschbecken geworfen, um sich erneut in seinem Zimmer mit einem Klappmesser zu bewaffnen. Die eigentliche Tat durch den Angeklagten sei wohl mit einem Messer verübt worden, was tagsüber zum Öffnen von Dosen genutzt worden sei und auf dem Tisch lag. Über die eigentliche Tat wollte oder konnte der erste Zeuge allerdings nichts berichten. Er habe einen „Filmriss“ gehabt. Nach seiner Aussage hatte sich die Zahl der zur Rede stehenden drei Messer um ein weiteres erhöht. Der tödliche Streit zwischen sei vermutlich um eine 2 Wochen vor der Tat verschwundenes Messer begonnen worden. Ein weiterer Mitbewohner war Zeuge der Tat. Er war als Einziger zur Tatzeit nicht betrunken und brachte eine weitere Messerversion ins Spiel. Als ihm der Vorsitzende Richter ein Foto von der vermeintlichen Tatwaffe zeigte, meinte er, dass es keine Leder- sondern eine Metallscheide gehabt habe. Problem: Sowohl das Tatmesser, wie auch das Klappmesser des Opfers sind seit der Tatnacht verschwunden. Die entscheidende Frage: Hatte Khamal ein Messer in der Hand, als ihm der Angeklagte die zwei tödlichen Stiche beibrachte? Aus der Aussage, des Zeugen gegenüber der Polizei, lässt sich schlussfolgern, dass sich beide Kontrahenten vor der Tat mit Messern gegenüber standen. „Wenn der uns geschildert hätte, dass das Opfer das Messer abgelegt habe, dann hätten wir das registriert und nachgefragt,“ berichtete ein Polizeibeamter, der in der Tatnacht die ersten Vernehmungen vom Arabischen ins Deutsche übersetzte. Für den Nebenklägeranwalt reichte diese Aussage nicht. Schließlich habe der Zeuge nicht gesagt, dass Khamal das Messer bis zu den Stichen festgehalten habe. Nicht nur die Messer vermehren sich in dem Mordprozess gegen Igor P.. Auch die Anzahl der Dolmetscher steigt mit jedem Verhandlungstag. Waren es am ersten Tag noch zwei, sind es bisher vier, die eingesetzt wurden. Für den Nebenkläger reicht auch das  nicht. Er deutete an, dass ein weiterer erforderlich sein könnte, weil „es da Probleme gibt.“ Hintergrund sind die verschiedenen kurdischen Dialekte. Die zeitraubenden Übersetzungen machen weitere Prozesstage notwendig. Fortsetzung am 8.9.2011 um 9 Uhr.

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