Generationenstreit auf Bauernhof: "Lasst Druchhorn nicht untergehen"

 

Landgericht Osnabrück: Geplanter Mord an Mutter zweifelhaft

Osnabrück (kno) – Ein Generationenstreit auf einem Bauernhof in Ankum-Druchhorn steht im Hintergrund eines Mordprozesses vor der Schwurgerichtskammer des Osnabrücker Landgerichts. Am 30.4.2007 hat der jetzt 40-jährige Landwirt Christoph W. seine damals 56-jährige Mutter mit einem Kleinkalibergewehr durch einen Kopfschuss getötet. Einen heimtückischen Mord wirft die Staatsanwaltschaft dem Zweimetermann aus Ankum-Druchhorn vor. Verteidiger Frank Otten bezweifelt eine Tatplanung.

 

Der Angeklagte machte persönlich am ersten Verhandlungstag nur Angaben zu seinem Werdegang. Er absolvierte eine Ausbildung zum Landwirt, besuchte mehrere Fachschulen und heiratete 1994. Gemeinsam mit seiner Ehefrau bewirtschaftete er einen Hof in Melle. Die Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen, wurde 2009 geschieden. Nachdem Scheitern der Ehe und auch des Hofes in Melle und dem Tode seines Vaters 2005 zog er wieder nach Ankum und nahm eine Arbeitsstelle bei einem Schweinemastbetrieb in Bersenbrück an. Die weitere Einlassung des Angeklagten trug sein Rechtsanwalt Otten vor. Das Wohnen mit seiner Mutter unter einem Dach sei für Christoph W. „die Hölle gewesen“. Er sei dann Ende 2006 zu seiner Arbeitsstelle gezogen und habe sich dort aber heimatlos gefühlt, zumal er sich auch mit seiner Schwester überworfen hatte. 4 Monate hätten beide nicht mit ihm geredet, er habe angefangen zu trinken. Seine Mutter habe ihm Vorwürfe wegen des Scheiterns seiner Ehe gemacht und ihm nicht zugetraut einen Hof zu führen. Gegen eine von ihm und auch seiner Schwester vorgeschlagenen Abschaffung der Tierhaltung habe sich seine Mutter vehement gewehrt. Im Januar 2007 habe es dann ein klärendes Gespräch mit seiner Schwester gegeben und er habe in seiner Freizeit auf dem elterlichen Hof gearbeitet. Von seiner Mutter sei er geschnitten und beleidigt worden. Sie habe gesagt: „ Ik häw´ keene kinners mehr“. Am Tattag habe er 2 Stunden Rasen gemäht und sie habe sich darüber beschwert, dass er noch nach 19 Uhr aktiv sei. Das habe das „Fass zum Überlaufen gebracht“. Er sei in die Futterküche gelaufen, habe einen Fichtenholzschrank aufgebrochen, um an ein Kleinkalibergewehr seines verstorbenen Vaters zu gelangen. Seine Mutter habe vor dem Haus auf dem Rasen gestanden, als er aus 12 m auf sie gezielt und geschossen habe. Er sei von seiner Tat schockiert gewesen und habe sie nicht anfassen können. Mit einem Seil habe er sie, heißt es in der Erklärung, in eine Futterkiste gezogen und dann in ein 2 km entfernt liegendes Waldstück gebracht und dort vergraben. Nach der Vermisstenanzeige durch die Tochter, so eine Polizistin als Zeugin, habe es eine aufwändige, aber erfolglose Suche gegeben. Das Auto der 56-Jährigen sei am Friedhof in Ankum entdeckt worden. Man habe einen Suizid nicht ausgeschlossen. Ende 2010 habe das Landeskriminalamt Hannover eine Fallanalyse erstellt. Ergebnis: Ein Gewaltverbrechen sei sehr wahrscheinlich. Täter: Vermutlich ein naher Angehöriger. Als dann noch ein Schuh gefunden worden sei, der nach einer DNA-Analyse der Getöteten zugeordnet worden konnte, habe man den Sohn mit den Ergebnissen konfrontiert. Er sei dann schließlich zusammengebrochen und habe unter Tränen die Tat gestanden. Anschließend habe er das Waldstück gezeigt, wo die Ermittler nach 2-tägiger Suche mit schwerem Gerät seine Mutter in 2 Meter Tiefe fanden. 

 

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