Muttermord Ankum: Kein Frontlader zum Ausheben des Grabes verwendet

Landgericht Osnabrück: Wurde Mitgefangener von Polizei durch Zusage reingelegt?

Osnabrück (kno) – Am dritten Tag des Mordprozesses gegen den 40-jährigen Christoph W. aus Ankum-Druchhorn, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft am 30.4.2007 seine Mutter mit einem Kleinkalibergewehr erschossen zu haben, geriet der Ablaufplan am Nachmittag leicht ins Wanken.

 

 Als Zeuge war ein ehemaliger Mithäftling des Angeklagten vorgeführt worden. Er sollte ein Aussage gegenüber der Polizei, die er auf eigene Initiative gemacht hatte, vor Gericht wiederholen. Doch genau das wollte er nicht. Es habe eine Absprache mit den Ermittlern gegeben, dass er nur dann etwas über den Mitgefangenen sagen würde, wenn er nicht vor Gericht erscheinen müsse. Der Gefangene wurde vorerst wieder abgeführt. Der Polizeibeamte, der die Vernehmung durchgeführt hatte, musste erst geholt werden. In der Zwischenzeit sagte eine Freundin der Ex-Frau des Angeklagten aus. Sie schilderte, dass sie am Tag nach dem Verschwinden von Elisabeth Lampe mit Christoph W. und dessen beiden Kindern, wie geplant zum Freilichtmuseum Detmold gefahren sei. Noch vor Betreten des Museums habe Christoph W.s Handy geklingelt. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass seine Mutter verschwunden sei. Seine Reaktion, so die Zeugin: „Er wirkte absolut geschockt. Er war unruhig und `schweißig´. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, was da passiert ist.“ Zur Erläuterung: Am Morgen nach seiner Tat wusste Christoph W. natürlich genau, was passiert war. Er hat also entweder gut geschauspielert oder ihm wurde klar, dass die Polizei jetzt intensiv ermitteln würde.  In der nächsten Zeugenaussage ging es um eine Treckerfahrt am Tattag zwischen 16 und 18 Uhr. Ein Nachbar erinnerte sich genau den Angeklagten mit einem Deutz-Traktor gesehen zu haben. Wichtig: Hatte dieser Traktor einen Frontlader? Es sei ein neueres Modell mit schräger Motorhaube gewesen, so der Zeuge. Hintergrund der Frage: Hat Christoph W. in den Stunden vor der Tat bereits ein Grab mit dem Traktor ausgehoben? Dieses wäre für die Staatsanwaltschaft ein Beleg für einen geplanten Mord. Verteidiger Frank Otten kann beweisen, dass der neue Deutz-Traktor des Hofes keinen Frontlader hatte. Otten bezweifelt ohnehin, dass es möglich ist, eine vollkommen rechteckige Grube von 1 Meter mal 2 Metern mit einer Tiefe von 2 Metern exakt mit einem Frontlader auszuheben, ohne dabei einen sichtbaren Flurschaden zu hinterlassen. Nach diesen Aussagen, erschien der herbeigerufene Polizeibeamte und erklärte dem Gericht, dass er dem Mithäftling keinerlei Zusagen gemacht hätte. Der Mann hätte sich mit einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft Osnabrück gewandt und erklärt, dass er etwas zu berichten hätte.  Der anschließend erneut in den Gerichtssaal gebrachte Häftling weigerte sich weiterhin mit Hinweis auf eine Absprache eine Aussage zu machen. Erst als ihm der Vorsitzende Richter ein Ordnungsgeld oder –strafe in androhte, erklärte er sich bereit, wies aber auch auf mögliche Folgen für ihn hin: „Wenn das rauskommt, kriege ich Probleme.“ Man habe ihn mit Christoph W. auf eine Zelle gelegt, ohne ihm zu sagen, was dieser getan hätte. Als er es dann erfahren habe, sei er geschockt gewesen: „Ich schlief mit einer Gabel unterm Kissen. Aus Angst.“ Eigentlich sähe der ehemalige Mitgefangene „ganz lieb aus“. Nach und nach habe ihm der Mithäftling dann erzählt, was er gemacht hätte und über sein Motiv gesprochen. Er tat es „um den Hof zu retten“, so der Zeuge und habe auch etwas Schockierendes gefragt: „Warum darf man ein Schwein töten, aber einen Menschen nicht?“ Nach kleineren Streitigkeiten habe er dann um eine Verlegung gebeten: „Bevor das richtig eskalierte.“ Als der Gefangene wieder aus dem Saal geführt wurde, trat er kurz an den Polizeibeamten heran: „Du hast mich ganz schön reingelegt.“ Stimmt das? Gegenüber der Presse antwortete der Beamte ausweichend: „Ich darf das gar nicht.“

 

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