Stich in den Hals eines 15-Jährigen mit großem Küchenmesser

 Landgericht Osnabrück: Prozess wegen versuchten Totschlags hat begonnen

 Osnabrück (hkn) – „Es ist ein sehr schwerer Anklagepunkt, wenn sich das so bewahrheiten sollte. Es drohen nach Jugendstrafrecht bis zu 10 Jahre Haft.“ Mit diesen Worten kommentierte der Vorsitzende der Jugendstrafkammer des Landgerichts Osnabrück die soeben verlesene Anklage. Versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den 19-jährigen Angeklagten aus Nordhorn, der zur Zeit in der JVA-Vechta in Untersuchungshaft sitzt.

 Er soll am 18 August 2011 einen damals 15-Jährigen im Hausflur dessen Wohnhauses in Nordhorn mit einem Messer durch das Ohr in den Hals gestochen haben. Die Stichverletzung war 4 Zentimeter tief und nur unweit von der Halsschlagader entfernt. Hintergrund der Bluttat war das sexuelle Verhältnis des 15-Jährigen zur 18-jährigen „Verlobten“ des Angeklagten. Nachdem der 19-Jährige Hussein H. am Tattag in einem lauten Streitgespräch von ihr erfahren hatte, dass sein Nebenbuhler nicht nur ein- sonder dreimal mit ihr geschlafen hatte, schnappte er sich in der Küche der Wohnung der 18-Jährigen ein sehr großes Messer, stopfte es in die hintere Jeanstasche und rannte zur 5 Minuten entfernt liegenden Wohnung des 15-Jährigen. Dieser war, so stellte sich später heraus, zwar telefonisch von der jungen Frau auf das Kommen des Mannes vorbereitet worden, wusste aber nichts über das mitgeführte Messer. Auf das Klingeln des Eifersüchtigen begab sich der Schüler aus der 1. Etage in den unteren Hausflur und öffnete die Eingangstür. Es kam sofort zu einem lauten Streit und bald darauf zu ersten Stichversuchen auf den Oberkörper und den Bauch des Angegriffenen durch den 19-Jährigen. Dann erfolgte der Stich durch das Ohr in den Hals. Später wurden am Hals des Opfers noch zwei lange, aber nicht tiefe Querschnitte festgestellt. Zu den Vorwürfen wollte sich der Angeklagte zuerst vor Gericht nicht äußern. Sein Anwalt verlas eine Erklärung, aus der sich ergab, dass die Verletzung nicht beabsichtigt gewesen sei. Das Messer habe der 19-Jährige nur mitgeführt, um dem 15-Jährigen Angst zu machen. Er habe nur „wahllos in Richtung des Opfers gestochen“, aber dabei keinesfalls eine Tötungsabsicht gehabt. Diese Erklärung fiel im Laufe der weiteren Verhandlung immer mehr in sich zusammen. Aus der Verlesung des Polizeiprotokolls ging hervor, dass es dem Angeklagten „scheißegal gewesen“ sei, welche Folgen seine Tat gehabt hätte. Frage des Beamten: „Dir war schon klar, dass er (das Opfer, Red.) durch den Messerstich sterben konnte?“ Kurze Antwort des Beschuldigten: „Ja.“  Der 15-jährige Schüler schilderte dem Gericht den Angriff aus seiner Sicht: „Ich hatte totale Angst.“ Er habe erst überhaupt nicht gemerkt, dass er verletzt wurde und blutete. Er habe nach den Stichen auf seinen Kopfbereich die Arme des Angeklagten festgehalten und um Hilfe gerufen. Das bestätigte als Zeugin die Mutter des 15-Jährigen. Sie habe ihren Sohn von oben gesehen, wie er mit blutbeschmiertem T-Shirt im Hausflur mit dem Angeklagten gerungen hätte. Als sie darauf geschrieen habe: „Lass ihn los!“, sei der Angreifer geflüchtet. Glück im Unglück für den Verletzten: Neben dem Wohnhaus befindet sich die Feuerwehr, deren Einsatzkräfte sofort Erste Hilfe leisten konnten.  Zwei Briefe mit unterschiedlichen Handschriften hätten ihn in der Zwischenzeit vom Angeklagten aus der Haft erreicht, so berichtet der Schüler vor Gericht: „Wenn man das so liest, hat man den Eindruck, dass das jemand anderes geschrieben hat, damit er eine milde Strafe bekommt.“ Außerdem, so der Zeuge weiter, hätte seine Familie Anrufe von der 20-köpfigen Großfamilie des Angeklagten mit bedrohlichem Charakter bekommen. Das, so erklärte der Anwalt des Angeklagten daraufhin, werde in Zukunft nicht mehr passieren. Die Mutter des Schülers ist um dessen Zukunft besorgt: Ihr Sohn hätte Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule, so dass sein Abschluss gefährdet sei. Fraglich sei auch, so die Mutter, ob er seinen Berufswunsch verwirklichen könne. Der 15-Jährige möchte Polizist werden. Fortsetzung der Verhandlung für die 4 Tage angesetzt sind, am Dienstag, den 13. Dezember.

 

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