Zweifacher Mordversuch: „Eine Millisekunden später und es hätte schlecht ausgesehen"

Landgericht Osnabrück verhandelt wegen Steinwürfen von Nordhorner Brücke

Osnabrück – Mit drei verbundenen Anklagen sieht sich ein 44-jähriger Nordhorner vor dem Landgericht Osnabrück konfrontiert. Die beiden ersten Fälle wegen Einbruchs mit anschließender Brandstiftung und Diebstahls aus einem Autos wären normalerweise eine Sache des Amtsgerichts Nordhorn gewesen. Doch der dritte Fall – zwei Mordversuche – muss, wegen der Höhe der möglichen Strafe vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts verhandelt werden. Ein Polizeibeamter als Zeuge deutete an, was wohl jedem der Beteiligten nach der Anklageverlesung durch den Kopf ging: Der Tathergang erinnert an den Holzklotzfall von einer Autobahnbrücke 2008 in Oldenburg. Weitere bekannt gewordene Fälle dieser Art, hätten dazu geführt, „..dass man jedes Mal dran denkt, wenn eine Person auf einer Brücke steht unter der man herfährt.“ Am 16 August 2011 wurde das Schreckensszenario für den Beamten und einen niederländischen Kollegen des grenzüberschreitenden Polizeiteams Bad Bentheim Realität. Die beiden Beamten fuhren mit einen Zivilfahrzeug gegen 21.30 Uhr auf der B 213, der Osttangente von Nordhorn Richtung Süden, als sie auf der Brücke am Wehrweg eine Person mit einem Fahrrad stehen sahen. Plötzlich rauschte etwas nach unten und es gab einen Knall. Später zeigte sich, dass ein großer, roter Ziegelsteinbrocken die Schürze des Autos beschädigt hatte. Der Polizist, der das Fahrzeug gelenkt hatte, kommentierte: „Eine Millisekunden später und es hätte schlecht für uns ausgesehen.“ Die beiden Polizisten hielten nach dem Knall kurz an und versuchten dann sofort, allerdings erfolglos die Person auf der Brücke zu finden. Eine Nahbereichsfahndung wurde eingeleitet. Mehrere Polizeistreifen kontrollierten das Umfeld der Brücke am Wehrweg. Doch es passierte, was nicht passieren sollte: Um ungefähr 22.25 Uhr fielen erneut Steine auf die untere Fahrbahn. Opfer diesmal: Eine 40-jährige Taxifahrerin. Der Kotflügel ihres Ford wurde getroffen. Seltsamerweise fuhr sie erst nach Hause, um von dort die Polizei zu verständigen. Anschließend begab sie sich zur Polizeiwache. Als dann, nach 20 Minuten die Alarmmeldung die Streifenwagen erreichte, fuhren zwei Beamte auf die Brücke und entdeckten dort den Angeklagten. Dieser habe überhaupt nicht reagiert, schilderte ein Polizist dem Gericht: “Eigentlich war da nur `ne Hülle. Körperlich war er da, aber sonst nicht.“ .In den Satteltaschen seines Fahrrades wurden anschließend noch mehrere Betonsteine entdeckt..Der Angeklagte gab vor Gericht an, von einem Obdachlosenheim in Nordhorn mit einer Flasche Korn zur Vechte gefahren zu sein und diese dort getrunken zu haben. Danach könne er sich an nichts mehr erinnern. Eine Blutalkoholmessung um 23.40 Uhr ergab einen Wert von 1,5 ‰. Bei der Polizei und einer späteren richterlichen Vernehmung hat er keine weiteren Angaben zu Drogen oder Medikamenten gemacht und alle diesbezüglichen Fragen verneint. Vor den Landgericht gab er nun an, dass er zusätzlich zum Alkohol das Antidepressivum Opipramol eingenommen habe. Der im Prozess anwesende psychiatrische Gutachter regte an, einen Pharmakologen zu hören, der etwas über die Wechselwirkung des Medikamentes aussagen könne. Der Verteidiger des 44-Jährigen geht von einer vollkommenen Schuldunfähigkeit aus, die Staatsanwaltschaft sieht eine erhebliche Minderung der Steuerungsfähigkeit als gegeben an. .Die beiden weiteren Anklagen verblassen etwas neben dem Hauptvorwurf, doch die Brandstiftung in einem Lagerhaus in Emlichheim kann bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren führen. Am 28.3.2011 war der Angeklagte, wie er vor Gericht einräumte, erst in das Gebäude eingebrochen, um etwas zu stehlen und hatte es dann – um Spuren zu verwischen – angezündet. Es entstand ein Schaden von 13000 Euro. Ein Woche später hatte er dann die Seitenscheibe eines Autos eingeschlagen und eine Handtasche mit einem Portemonnaie gestohlen. Zwei weiter Prozesstage sind angesetzt. Mit einem Urteil ist am kommenden Dienstag zu rechnen..

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