Keine Spuren von Antidepressivum im Blut des Steinwerfers

Landgericht Osnabrück: Statt Pharmakologen soll Psychologe gehört werden Osnabrück

Die Schuldunfähigkeit wackelt. Im Prozess wegen 2-fachem Mordversuchs gegen den 44-jährigen Nordhorner, der am Abend des 16. August 2011 mehrere Steine von einer Brücke am Wehrweg auf die Osttangente geworfen hat, ergab eine weitere Blutuntersuchung keinerlei Hinweise auf die vom Angeklagten behauptete Einnahme des Antidepressivums Opipramol. Die Kältewelle über Deutschland wirkte sich auch den Beginn des zweiten Verhandlungstag im Steinewerfer-Prozess aus. Pünktlich um 9 Uhr erschien eine Anwältin, die aber erkennen musste, dass der in Handschellen hereingeführte 44-jährige Angeklagte nicht ihr Mandant ist. Nachdem sie der Saal verlassen hat, warteten die Prozessbeteiligten und Zuschauer auf den richtigen Anwalt aus Nordhorn. Er erschien mit 20 Minuten Verspätung. Begründung: Der Diesel in seinem Auto sei eingefroren gewesen. Für ihn und seinen Mandanten folgte eine Hiobsbotschaft. Nachdem der Angeklagte am ersten Verhandlungstag behauptet hatte, er habe das Medikament Opipramol eingenommen und zusätzlich 1 Flasche Korn getrunken, sollte ein Gutachter beauftragt werden Aussagen über die Wechselwirkung des Antidepressivums mit Alkohol zu machen. Unmittelbar nach den Steinwürfen war dem Angeklagten Blut entnommen worden. Ergebnis: 1,56 ‰ Blutalkoholkonzentration, aber keine Hinweise auf Drogen oder Medikamente. Zur Sicherheit hatte das Landgericht die Untersuchung wiederholen lassen. Das Ergebnis war identisch. Statt des Pharmakologen soll jetzt ein Psychologe beauftragt werden, den Angeklagten zu untersuchen und die Frage zu beantworten, wie es sein kann dass der Angeklagte völlig apathisch war, als die Polizeibeamten ihn auf der Brücke festnahmen. Auf der Fahrt zu Wache war er im Auto eingeschlafen. Er hatte angegeben, sich an nichts erinnern zu können. Neben dem 2-fachen Mordversuch muss sich der 44-Jährige auch wegen Einbruchdiebstahls und Brandstiftung verantworten. Nur um Haaresbreite waren zwei Fahrzeugführer einer Katastrophe entgangen, nachdem der Angeklagte am Abend des 16. Augusts 2011 im Abstand von einer Stunde mehrere große Back- und Betonsteine mit einem Gewicht bis zu 2,9 Kilogramm aus 6,5 Meter Höhe auf die Fahrbahn der Osttangente geworfen hatte. Zwei Fahrzeuge wurden an der Schürze und am Kotflügel getroffen. Obwohl nach dem ersten Vorfall eine Nahbereichsfahndung ausgelöst worden war, gelang es dem Angeklagten sich erneut auf die Brücke am Wehrweg zu begeben und Steine herunterzuwerfen. Erst danach konnte er dingfest gemacht werden. Der Prozess wird am 21.2.2012 fortgesetzt.

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