17-jähriger Messerstecher redet wie Wasserfall

Landgericht Osnabrück: Umfangreiches Geständnis zum Auftakt des Messerstecherprozess Lutherkirche 

Gleich zum Prozessauftakt im Totschlagsprozess gegen vier Jugendliche hat der 17-jährige Hauptangeklagte ein sehr umfangreiches Geständnis abgelegt. Sehr detailliert, aber ohne jegliche Reue schilderte Michael A. unter anderem wie er und seine beiden Landsleute Ömer (19 J.) und Huseyin S. (18 J.) in der Nacht des 18. Sep. 2011 an der Iburgerstraße auf den 22-jährigen Matthias B. trafen und es nach einem verbalen Scharmützel erst zu Faustschlägen und etwas später zu zwei Messerstichen kam. Einer der Stiche traf das Opfer im Bauchraum und zertrennte die Beckenschlagader. Matthias B. starb um 3.20 Uhr im Marienhospital. Bis auf den letzten Platz gefüllt ist der große Schwurgerichtssaal um kurz vor 9 Uhr. Zahlreiche Medienvertreter machen deutlich, dass der anstehende Prozess auch überregionale Beachtung findet. 3 Anklagen verliest die Staatsanwältin kurz nach dem der 17-jährige in Handschellen aus der U-Haft gebracht wurde. 1. Anklage: Der 17-Jährige soll im März 2011 in einem Handwerkerheim die Tür eines Schlafraumes eingetreten haben und anschließend einen darin Schlafenden mit Schlägen und Fußtritten zu traktieren. 2. Anklage: Mit dem vierten Angeklagten im Bunde soll es am Tag vor der Bluttat zu einem Raubüberfall im Schinkel auf 4 Jugendliche gekommen sein. Geraubt wurden Bargeld und teuere Handys. 3. Anklage: Die tödlichen Stiche an der Lutherkirche. Beteiligt: 3 der 4 Angeklagten. Wie ein Wasserfall redet der 17-Jährige 90 Minuten lang und gewährt erschreckende Einblicke in sein Denken. Selber eher schmächtig und klein, schildert er wie er und seine Kumpane andere Personen als Opfer ausmachen und versuchen einzuschätzen, mit welcher Gegenwehr bei wem zu rechnen ist. Sieht jemand nicht „muskelbepackt“ und eher hager aus, dann ist er „leichte Beute“ und kann gefahrlos attackiert und „abgezogen“ werden. So ging es einer Gruppe von 4 Jugendlichen, die den 4 Angeklagten am 16.9.2011 am Hauptbahnhof in die Hände fiel. Geschickt wurde die ahnungslose Gruppe im Schinkel in eine Sackgasse gelockt und unter dem Vorhalt eines Messers um Wertsachen erleichtert. Es sei ein Leichtes gewesen die teuren Handys am nächsten Tag in einem der zahlreichen Shops am Hauptbahnhof zu versilbern. Das alles erzählt der 17-jährige Angeklagter wie ein Landser einen Kriegbericht. Eher stolz und sich brüstend, als kleinlaut und reumütig. Er scheint die Aufmerksamkeit zu genießen. Fassungslos müssen die Angehörigen des Getöteten sich anhören, mit welcher Leichtigkeit der Angeklagte sein Messer zog um den 22-jähigen Ibbenbürener „kampfunfähig zu machen“. „Nun ja,“ erläutert der junge Messerstecher, „ich habe die Situation ein bisschen zu extrem eingeschätzt.“ Jedenfalls habe er dann gemerkt, dass das Messer blutig sei und es auf der Flucht in einen Mülleimer gestopft. Woher er denn das Messer habe, wollte die Staatsanwältin wissen. Das habe ihm ein Mitangeklagter eine Woche vor der Tat gekauft, weil er es wegen seines Alters nicht bekommen konnte.


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