Steinwürfe von der Brücke - Für den Staatsanwalt sind es Mordversuche

 Gutachter vor dem Landgericht Osnabrück: Angeklagter handelte gezielt

Der Staatsanwalt bleibt nach dem Abschluss der Beweisaufnahme im Steinewerferprozess vor dem Landgericht Osnabrück bei seiner Anklage: Ein 44 –jährige Nordhorner habe sich des zweifachen Mordversuchs schuldig gemacht, als er am Abend des 16.8.2011 innerhalb von 1 Stunde mehrer dicke Steinbrocken auf die Fahrbahn der Osttangente in Nordhorn geworfen habe. Für diese Taten soll der Angeklagte auf Antrag des Anklagevertreters 8 Jahre und 6 Monate hinter Gitter. Den 16.8.2012 werden zwei Polizisten und eine Taxifahrerin aus Nordhorn wohl kaum vergessen, denn sie entgingen nur knapp einer Katastrophe. Um 21.30 Uhr knallte ein Stein gegen die Schürze eines Zivilstreifenfahrzeuges, das auf der Osttangente Richtung Süden fuhr. Geworfen worden war der Stein von der Brücke am Wehrweg. Die beiden unverletzten Polizisten leiteten sofort eine Fahndung ein. Ohne Erfolg. Nach einer Stunde rauschte erneut ein Stein auf die Fahrbahn. Opfer diesmal: Eine Taxifahrerin. Ihr Auto wurde am Kotflügel getroffen. Eine Polizeistreife überprüfte die Brücke und traf auf den 44-Jährigen, der völlig apathisch auf seinem Fahrrad saß. Im Gepäck hatte er noch weitere Steine. Seit seiner Festnahme am 16.8.2011 sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Am 1. Februar 2012 begann der Prozess gegen ihn, in dem er sich auch wegen Einbruchdiebsstahls und Brandstiftung verantworten muss. Als letzte Zeugin berichtete eine Kioskverkäuferin aus Nordhorn dem Gericht, dass der Angeklagte regelmäßiger Kunde gewesen sei. Er habe hauptsächlich Bier und Zigaretten gekauft, gelegentlich auch mal einen Roman für seine Frau. Sie könne sich auch erinnern, dass der 44-Jährige öfters mal 0,7 Liter Korn gekauft habe. An welchem Tag genau das geschah, könne sie allerdings nicht sagen. Es folgte, wie in jedem Verfahren die Verlesung des Bundeszentralregisterauszuges bezüglich des Angeklagten. Seit 1984 beschäftigt der 44-Jährige die Justiz. Er hat mehrere Jahre hinter Gittern verbracht. Sein Delikte: Diebstähle, Fahren ohne Fahrerlaubnis und in den letzten Jahren Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Registeer weist 18 Eintragungen auf. Sehr ausführlich, teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit, erläuterte ein Psychiater sein Gutachten. Zentrale Fragen: Wie viel hatte der Angeklagte am Tattag getrunken? Wie sehr war er von der Wirkung des Alkohols beeinträchtigt, als er die Steine von der Brücke warf? Zu den Promillewerten stellte der Gutachter fest, dass die vom Angeklagten genannten Trinkmengen nicht zum festgestellten Tatablauf passen würden. Rechnerisch ergäbe sich ein Blutalkoholwert oberhalb von 5 ‰, so der Gutachter. Gemessen wurden aber kurz nach der Festnahme um 23.40 Uhr lediglich 1,52 ‰, so dass zum Tatzeitpunkt von einem Wert von ungefähr 2 ‰ auszugehen sei. Der Angeklagte habe angegeben, sich an nichts erinnern zu können. Kommentar des Gutachters: „Es gibt vielleicht gute Gründe sich an nichts zu erinnern.“ Im Allgemeinen, so der Psychiater, gäbe es weniger Erinnerungslücken bei Alkoholisierten, als diese angeben würden. Der Angeklagte würde Symptome einer „dissozialen Persönlichkeitsstörung“ zeigen, wäre nicht schwachsinnig und hätte einen tief eingewurzelten Hang zum Alkohol. Er habe koordiniert gehandelt, als er sich die Steine besorgt habe, die er später gezielt auf die Fahrbahn geworfen hätte. Er hätte den „Erfolg“ seine Handelns registriert, denn er sei geflüchtet, als das erste Auto getroffen wurde. Dann habe er beobachtet, dass die Polizeisperren aufgehoben wurden und sei erneut auf die Brücke gefahren, um wieder gezielt Steine herunter zu werfen. Es sei, so der Gutachter von einer erheblichen Minderung der Steuerungsfähigkeit auszugehen. Er riet dem Gericht eine Einweisung des Angeklagten in eine Suchtklinik an, da es sich bei den Steinwürfen um eine Symptomtat handeln würde. Am 13.3. wird der Verteidiger in seinem Plädoyer auf den Antrag des Staatsanwaltes reagieren. Das Urteil soll am 16.3. verkündet werden.

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