„Der Spaß ist vorbei. Wertsachen raus.“

 Totschlagsprozess Iburgerstraße: Messerstecher verübte mit Komplizen vorher 2 Raubüberfälle

Osnabrück  – Am vierten Verhandlungstag im Totschlagsprozess Iburgerstrasse wurden 9 weitere Zeugen gehört. In den Fokus geriet nun auch der vierte Angeklagte Marco E. (19) der bei der Schlägerei und den tödlichen Stichen an der Lutherkirche nur rauchender Zuschauer gewesen sein soll. Das Quartett soll am Tag vor der Bluttat mit einem weiteren Täter zusammen eine Gruppe von 4 Jungen aus Ganderkesee und Emlichheim, die sich auf einem Konzert in Osnabrück kennen gelernt hatten, ausgeraubt haben. Die naiven Jungen wollten in Osnabrück nach dem Konzert noch „Party“ machen und trafen am OS- HBF auf die Angeklagten. Diesen gelang es die Gruppe vom Bahnhof wegzulocken, weil sie ihnen ein günstige Diskothek versprachen, in die auch 17-Jährige nach 24 Uhr reinkämen. Als Ortskundige wussten sie sehr wohl, dass die Disko an der Baumstraße geschlossen war. Über die Humboldbrücke und die gleichnamige Straße führte die Weg. Schon hier schwante einem der Jungen nichts Gutes, weil die neuen Begleiter plötzlich türkisch sprachen. Aber der Junge traute sich nicht zu fliehen. Er kannte sich überhaupt nicht aus. Nachdem man festgestellt hatte, dass die Disko geschlossen war, sollte eine zweite angesteuert werden. Doch der Weg führte in die Sackgasse der Schlachthofstrasse. Dort bauten sich die 5 Täter im Halbkreis auf, einer zog ein Messer und sagte: „Der Spaß ist vorbei. Wertsachen raus.“ Der Fluchtweg nach hinten war durch einen Zaun versperrt. Trotzdem konnte einer der Jungen fliehen. Er sei lange gerannt, schilderte Fabian dem Gericht, er habe sich dann hinter Büschen versteckt. Straßenschilder habe er nicht gefunden und deshalb auch nicht mit seinem Handy die Polizei alarmiert. In der Verhandlung zeigt sich: Er war in das Waldgebiet der Gartlage geflüchtet. Seine drei Freunde wurden von den Angeklagten ausgeplündert: Geld und Handys wechselten die Besitzer. Die Fahrscheine der Jungen für die Rückfahrt wurden zerrissen. Nach dem Raub flohen die Täter. Aus dem Waldgebiet versuchte Fabian seinen Freund anzurufen. Doch es meldete sich einen andere Stimme. Die andere Person habe ihn gefragt, wo er sei, damit man sich treffen könne. Die Überfallenen hatten keine Handys mehr: Ihr Notruf wurde vom KME-Werkstor abgesetzt. Noch ein weiterer Raub wurde von der Jugendkammer abgehandelt: Am Abend vor den Messerstichen soll Michael Erol A. einem 15-Jährigen am Bahnhof dessen Uhr geraubt haben. Er habe sie ihm zum Anschauen gegeben, so der junge Zeuge, aber auch auf hartnäckiges Drängen nicht zurückerhalten. Der Junge berichtete dem Gericht: „Ich wurde einmal geschlagen.“ Mehrmals war das Tatmesser von Michael Erol A. Thema. Wie man das denn Öffnen könne, wollte der Vorsitzende Richter vom Angeklagten wissen. Dieser wollte es gleich demonstrieren, doch das war dem Vorsitzenden nicht recht: „Sie kriegen das nicht in Hand. Soviel Vertrauen habe ich nicht.“ Am kommenden Verhandlungstag  wird die Mutter von Hüseyin S. (18) gehört werden. Angeblich soll der Angeklagte am Tatabend zu Hause gewesen sein. Danach wird der psychiatrische Gutachter gehört. 

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