Totschlag Iburgerstraße: Ein Angeklagter depressiv – Neues Gutachten

Landgericht Osnabrück: Alibiaussage einer Mutter von Staatsanwaltschaft und Verteidiger angezweifelt

„Wenn ich meinem Sohn nicht helfe, bin ich eine schlechte Mutter,“ sagte die 37-jährige Mutter von Ömer (19) und Huseyin S. am Ende ihrer umstrittenen Aussage vor dem Landgericht Osnabrück im Totschlagsprozess Iburgerstraße. Am 5. Verhandlungstag ging es erneut um den Raubüberfall des angeklagten Quartetts zu dem neben den beiden Brüdern S. auch Marco E. (19) und der Haupttäter Michael Erol A.(17) gehören. Erol A. hatte am ersten Verhandlungstag nicht nur eingestanden den tödlichen Stich gegen Mathias B. gesetzt zu haben, sondern am Vorabend der Bluttat mit seinen Kumpanen drei Jugendliche an der Schlachthofstraße ausgeraubt zu haben. Er hatte dabei auch namentlich Huseyin S. als Mittäter benannt. Auf Antrag dessen Verteidiger erschien nun die Mutter des jungen Mannes, um zu bestätigen, dass ihr Sohn am fraglichen Abend des 16.9.2011 zu Hause gewesen sei. Vor ihrer Aussage erkundigte sich das Gericht, was Huseyin denn so am Abend zu Hause gemacht habe. Zu dem was er am Nachmittag gemacht habe, konnte der Angeklagte keine Angaben machen, aber an der Abend erinnerte er sich genau: Playstation habe er gespielt und im Internet gesurft. Mehrmals sei seine Mutter zu ihm im Haus hochgekommen und habe ihn gesehen, wenn sie zum Rauchen auf die Toilette ging. Ganz anders seine Mutter: Sie ließ über ihre Dolmetscherin erklären, dass sie mit ihrem Sohn den ganzen Abend bis 0.30 Uhr verbracht und geredet habe. Sie habe ihm erklärt habe, warum er nicht die Wohnung verlassen dürfe. Das sei eine Strafe gewesen, weil er am Vorabend eine Tür geknallt habe. „Ich kann beschwören, dass er zu Hause war,“ erklärte die Mutter. Diesen Schwur brauchte sie nicht zu leisten. Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin äußerten Staatsanwältin und Verteidiger Frank Otten, der Michael Erol A. vertritt. Als Otten fragte, was Huseyin am Abend denn aussr Reden gemacht habe, antworte die Mutter eilfertig: „Playstation hat er auch gespielt.“ Als der Verteidiger dann nachhakte, wurde es für die Mutter zu eng, sie wollte keine Fragen mehr beantworten und mit ihrem Anwalt sprechen. Sie fügte hinzu: „Ich werde sterben für Gott.“ Wegen des Ausschluss der Öffentlichkeit bei den Aussagen der Jugendgerichtshilfe zum Vorleben der zwei minderjährigen Angeklagten ergab sich für die Zuschauer anschließend eine Zwangspause von einer Stunde. Heftig diskutiert wurde in dieser Zeit die Aussage der Mutter. Für eine 5-köpfige Gruppe von Zuschauern, die regelmäßig Prozesse besucht, war es eine Falschaussage“. Ein Zuschauer: „Diese Aussage war bestellt. Ich wundere mich, dass das Gericht sich das gefallen lässt.“ Nach der Pause verkündete der vorsitzende Richter der Jugendkammer, dass sich herausgestellt habe, dass Huseyin S. unter Depressionen leide und deshalb ein neues Gutachten zu einer eventuell verminderten Schuldfähigkeit erforderlich sei. Der Terminplan geriet erheblich durcheinander. Der nächste Verhandlungstag ist der 10.4. (13.30 Uhr). Es folgen der 17.4 (13 Uhr) und der 30.4. (9.00 Uhr) mit allen Plädoyers. Geplante Urteilsverkündung: 7. oder 9. Mai.

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