Messerstiche an der Lutherkirche: Tathandeln im Tunnel

Landgericht Osnabrück: Psychiater sieht eine Gefahr für die Allgemeinheit

Das Fazit des Psychiaters Dr. Ludwig Hermeler vor dem Landgericht Osnabrück war unmissverständlich: „Michael Arol A. stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Ohne lange, tiefgreifende Behandlung sind weitere schwere Straftaten von ihm zu erwarten.“ Im Prozess gegen 4 junge Männer wegen der tödlichen Stiche an der Iburgerstrasse am 18.9.2011 stand am sechsten Verhandlungstag die gestörte Persönlichkeit des jetzt 18-jährigen Haupttäters im Fokus. Der Angeklagte hatte eine Untersuchung durch den erfahrenen Psychiater abgelehnt, sodass der Gutachter sich ausschließlich auf die umfangreiche Einlassung von Michael Arol A. zu Beginn des Prozesses und Recherchen über dessen Vergangenheit bezog. In der Abfolge der vier anklaggegenständlichen Straftaten sieht Hermeler einen klaren Zusammenhang. In dem nächtlichen Überfall auf einen Mitlehrling, dem Raub an der Halle Gartlage mit Messereinsatz, dem Uhrenraub am Bahnhof mit einem Faustschlag und schließlich den beiden Messerstichen an der Lutherkirche sei ein manifestiertes Verhalten zu erkennen.  Schon in seiner Schulzeit sei es zu Beschwerden über das Sozialverhalten des Angeklagten gekommen. Von seiner Familie erhalte Arol A. keine Unterstützung, ein älterer Bruder habe wegen Körperverletzung 4 Jahre in der JVA Hameln gesessen. Weil der Bruder eine Stichverletzung erlitten habe, sei das Mitführen eines Messers für den Angeklagten normal, so Hermeler.  Aufgrund eines Boxtrainings sei Michael Arol A. in der Lage gewesen potentielle Gegner einzuschätzen und gezielt zu handeln. Bezüglich des von ihm getöteten 22- jährigen Mathias B. habe er gesagt: „Der war keine leichte Beute.“ Als die Gruppe ihr Opfer nachts an der Lutherkirche attackierte, habe er erst kontrolliert abseits gestanden und dann einen Tunnel gesucht, um sein Messer einzusetzen. Nach dem ersten Stich habe er festgestellt, dass kein Blut am Messer gewesen sei. Deshalb habe er ein zweites Mal zugestochen.  Michael Arol A. leide nicht an einer Erkrankung, die ihn in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtige, so der Gutachter weiter. Es handele sich bei ihm um eine dissoziale Persönlichkeit mit erhöhter Aggressionsbereitschaft und geringer Frustrationstoleranz. Während der Tat sei Arol A. nicht in durch Alkohol oder Drogen in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen. Er habe im Prozess keinerlei Empathie (Mitgefühl) für sein Opfer gezeigt. Seine Entschuldigung stände „isoliert im Raum“. Der Gutachter resümierte: „Michael Arol A. stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.“ Nach diesen klaren Worten stellte die Staatsanwältin fest: „Das hört sich so an, wie bei älteren Angeklagten, für die man eine Sicherheitsverwahrung beantragt. Als ob für den Angeklagten `Hopfen und Malz´ verloren ist.“ Der Gutachter wiederholte seine Feststellung: „Ohne lange, tiefgreifende Behandlung ist Hopfen und Malz verloren. Es sind weitere schwere Straftaten von ihm zu erwarten.“  Arol A. habe keinerlei Distanzierung von der Tat gezeigt, es sei kein Wunsch nach Veränderung erkennbar geworden. Verteidiger Frank Otten wollte wissen, in wie weit die Situation im Gerichtssaal Einfluss auf die Darstellung des Angeklagten genommen hätte. Er sei ja nicht regulär untersucht worden. Gutachter: „Die Kernangaben sind erfolgt.“ Michael Arol A. ziehe einen “narzisstischen Gewinn” aus seiner Darstellung als “cooler Typ”. Da scheint etwas dran zu sein. Am Rande des Prozesses wurde bekannt, dass der 18-Jährige sich in der JVA Vechta brüstet: „Ich habe jemanden getötet.“ Fortsetzung des Prozesses: 17.04. um 13 Uhr. 

750 750 10

Diesen Beitrag teilen



Messerstiche an der Lutherkirche: Tathandeln im Tunnel - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt