Tochter wollte weiter Rente kassieren: Leiche des Vaters im Osterfeuer verbrannt

 Landgericht Osnabrück: Rattennester nach Körperteilen durchsiebt

Ein Fall der bereits seit mehreren Tagen vor dem Landgericht Osnabrück verhandelt wird, begann vor 2 Jahren. Anfang 2010 erstattete die Schwester eines 66-jährigen Mannes eine Vermisstenanzeige, weil sie ihren Bruder, der seit 2008 auf einem Hof bei seiner Tochter in Menslage in einem separaten Backhaus wohnte, nicht mehr erreichen konnte. Auf dem Hof wohnte die 40-jährige Tochter mit ihrem 42-jährigen Mann und zwei aus Jordanien adoptierten Kindern. Jetzt muss sich das mittlerweile getrennt lebende Ehepaar wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Betruges vor dem Schwurgericht verantworten. Die beiden Eheleute sollen den im Juli 2009 verstorbenen Vater vorrübergehend in einer Scheune eingegraben und den Leichnam dann am 3. April 2010 im Osterfeuer verbrannt haben.
Der alkoholkranke Mann hatte 2008 sein Haus in Hunteburg verkauft und war zu seiner Tochter gezogen, die auch seine gesetzliche Betreuerin war. Der Verkaufserlös war in den Ankauf des Hofes in Menslage geflossen. Nach der Vermisstenanzeige ergaben sich weitere Verdachtsmomente, wie ein Ermittler vor Gericht schilderte. Die Angeklagte hatte den Angehörigen erzählt, ihr Vater sei nach Polen verzogen. Es folgten „umfangreiche operative Maßnahmen“: Am 11.5.2010 wurde das gesamte Anwesen in Menslage von zahlreichen Beamten minutiös untersucht. Im völlig verwahrlosten Backhaus fanden die Ermittler Lebensmittelverpackungen, aus denen sich ergab: Ab Mitte 2009 war das Haus nicht mehr bewohnt. Der Fußboden wurde hochgenommen, Rattennester nach Leichenteilen durchsucht. In einer Scheune wurde eine Grabungsstelle entdeckt, daneben verdreckte Textilreste. Dann nahmen sich die Fahnder die Reste des Osterfeuers vor. Die Asche wurde durchsiebt: Kleine Knochenreste wurden gefunden. Verdacht: Menschliche Überreste.
Die Angeklagte hat zu Beginn des Prozess eingeräumt, ihren Vater am 10. Juli 2009 tot in seinem kleinen Haus gefunden zu haben. Um weiterhin die Rente von über 1500 Euro im Monat zu kassieren, hatte sie die Leiche in der Scheune zwischengelagert und dann zu Ostern 2010 im Feuer verbrannt. Die 40-Jährige hatte zeitweise über 8000 Euro als Finanzbuchhalterin verdient, war aber durch Häuserkäufe in Menslage und Lotte in eine finanzielle Schieflage geraten. Ihr Mann sei zur Tatzeit ebenfalls alkoholkrank gewesen, so dass sie überfordert gewesen sei. Schwere Vorwürfe erhebt die 69-jährige Schwester des Verstorbenen, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt gegen ihre Nichte: „Ich äußere hier ganz klar den Verdacht, dass es durch meine Nichte Gewalt in der Pflege meines Bruders gegeben hat.“ Als Zeugin sagte sie, dass sie mehrmals versucht habe, ihren Bruder telefonisch zu erreichen, er selbst habe kein Telefon gehabt und sei von seiner Tochter verleugnet worden. Auch Besuche wurden unterbunden: „Wir wurden zweimal wieder ausgeladen.“ Nach dem Tod des Vaters kündigte die Tochter dessen Hausratversicherung, die Rentenversicherung informierte sie nicht über dessen Ableben. Aus einem Rentenrückforderungsbescheid ergibt sich eine Summe von 16.666 Euro, die sie zu Unrecht erhalten hat. Eine wichtige Fragstellung des Prozess lautet: Hat die Angeklagte durch die Unterlassung von lebenswichtigen Pflege- und Versorgungsmaßnahmen den Tod ihre Vater herbeigeführt oder begünstigt? Die Bandbreite der verschiedenen Anklagepunkte ist groß: Von der Verurteilung wegen Störung der Totenruhe bis hin zur Körperverletzung mit Todesfolge ist alles möglich.

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