Bewährungsstrafen für 3 Angeklagte im Prozess Iburgerstraße?

Landgericht Osnabrück: Deutlicher Riss zwischen den Angeklagten

Der 7. Prozesstag gegen vier junge Männer wegen des Totschlages an der Iburgerstraße sorgte auch nach Verhandlungsende für längere Diskussionen vor dem Landgericht Osnabrück. Haben sich die Angeklagten nach der Bluttat zerstritten? Gibt es Bewährungsstrafen gegen drei Angeklagte? Am Anfang des Prozesstages wurde das polizeiliche Vernehmungsprotokoll einer Tatzeugin verlesen. Darin wird noch einmal deutlich, dass die Gruppe von 4 jungen Frauen und dem späteren Opfer Mathias B. (22) in der Nacht des 18. September 2011 an der Ecke Ravensbrink/Iburgerstraße auf die vier Angeklagten traf. Nach einem verbalen Auseinandersetzung zogen die Frauen ihren Begleiter mit Richtung Innenstadt, wurden allerdings von den Kontrahenten verfolgt. Die Männer hätten sich über Mathias B. „lustig gemacht“ und der hätte empört reagiert: „...,nur weil ich Deutscher bin.“ An der Lutherkirche sei es dann zu der Schlägerei gekommen. Der Hauptangeklagte Michael Erol A. habe abseits gestanden und in seiner Tasche gewühlt. Wenig später kam es dann zu den zwei Stichen, wovon einer tödlich war. In der Aussage ist, anders als vom Verteidiger von Ömer S. (19) am letzten Verhandlungstag angedeutet, nicht von einem Angriff des Getöteten auf den Angeklagten die Rede. Anschließend sprach das Gericht das, in den ON veröffentlichte Zitat von Michael Erol A. an, welches er gegenüber Mitgefangenen in der JVA-Vechta gemacht haben soll. „Stimmt es, dass Sie sich damit gebrüstet haben: Ich habe jemanden getötet?“ „Das habe ich definitiv nicht gesagt,“ reagierte der Angesprochene. „Ein bisschen Anstand habe ich auch noch. Ich kann mir schon denken, woher das kommt.“ Damit sprach Michael Erol A. das zerrissene Verhältnis zwischen den Angeklagten an. Ob Michael Erol A. sein Freund sei, wollte der Richter von Ömer S. wissen. Der Gefragte zögerte: „Nicht mehr.“ Er sei mehr ein Kumpel gewesen. „Mit dem konnte man was machen.“ „Gab es vorher schon mal Probleme?“ hakte der Richter nach. Wieder zögerte Ömer S., schaute zu seinem Verteidiger und sagte: „Da kam irgendwann mal ein Messer raus. Michael wollte eine Joggerin verletzen, als er besoffen war. Er hatte sehr häufig ein Messer dabei.“ Die deutlichen Absetzbewegungen des Angeklagten von seinem ehemaligen Kumpel wurden auch im Bericht eines Jugendgerichtshelfers deutlich. Ömer S. habe Straftaten von Michael Erol A. befürchtet, sei aber aus Loyalität nicht in der Lage gewesen sich von diesem zu lösen. Zur Zeit sei der Angeklagte bei seinem Ausbildungsplatz als Anlagenmechaniker freigestellt. Seine Chefin sei sehr zufrieden mit ihm. Ömer S. habe allerdings den höchste Krankenstand und sei während der Lehre mal Opfer einer Schlägerei gewesen, bei der er einen Nasenbeinbruch erlitten habe. Bezüglich der Weiterführung seiner Lehre hatte der Angeklagte gesagt: „Wenn ich reinmuss, ist das automatisch beendet.“ Der Jugendgerichtshelfer befürwortete eine Bewährungsstrafe nach Anwendung des Jugendstrafrechts. Außerdem empfahl er ein Antiaggressionstraining. Ähnlich berichtete sein Kollege über den Angeklagten Marco E. (19). Dieser habe ein geringes Selbstwertgefühl, wirke sehr unreif und habe „Abgrenzungsprobleme“. Früher habe Marco E. in Wallenhorst geboxt, seit dem 1.9.2011 sei er in einer Ausbildung zum Maler und Lackierer. Eine Bewährungsstrafe nach Jugendstrafrecht sei gerechtfertigt. Diese Aussagen führten nach Verhandlungsschluss vor dem Landgericht zu langen Diskussionen unter Zuschauern: Haben die Mitangeklagten nicht gewusst, dass der Hauptangeklagte ein Messer mitführte und auch bereit war dieses einzusetzen? Wie groß ist ihr Beitrag zu der Bluttat, in deren Folge Mathias B. sterben musste? Kommt es wirklich zu den empfohlenen Bewährungsstrafen? Fortsetzung am Montag, den 30.4. mit allen Plädoyers. 

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