Ungleicher und unmännlicher Kampf an der Iburger Strasse

Landgericht Osnabrück: Plädoyers der Verteidiger

In dem Verfahren vor der Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück gegen 4 junge Männer, die sich unter anderem, wegen der Schlägerei mit Todesfolge am 18.9.2011 an der Iburger Strasse verantworten müssen, hat die Staatsanwaltschaft für den jetzt 18-jährigen Hauptangeklagten Michael Erol A. wegen Totschlags und einer schweren räuberische Erpressung eine Jugendstrafe von 7 Jahren und 6 Monaten beantragt. Der mitangeklagte Ömer S. (19) soll wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer räuberischer Erpressung für 3 Jahre in Haft. Sein 18-jähriger Bruder Hüseyin soll für die selben Delikte eine 18-monatige Bewährungsstrafe erhalten. Für den vierten Angeklagten soll die Verhängung einer Strafe nach Jugendstrafrecht ausgesetzt werden. Die Gruppe soll am 17.9.2011 in Osnabrück 3 Jugendliche unter Vorhalt eines Messers ausgeraubt habe und in der Nacht des folgenden Tages sollen drei der Angeklagten einen 22-Jährigen massiv geschlagen haben. Der 18-jährige Hauptangeklagte hatte im Verlauf der Schlägerei ein Messer gezogen und zweimal mit großer Wucht auf das Opfer eingestochen. Der 22-Jährige war wenig später an den Folgen einer tiefen Bauchverletzung im Krankenhaus verstorben. Der Vertreter der Nebenklage sah in der Tathandlung des 18-Jährigen einen Mord aus niedrigen Beweggründen, dessen Verteidiger eine vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge. Sein Mandant, so Rechtsanwalt Frank Otten habe die Stiche gesetzt, um das Opfer kampfunfähig zu machen, aber keinen Tötungsvorsatz gehabt. Er beantragte eine Haftstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten für seinen Mandanten. Sein Kollege Jens Meggers verwies zu Beginn seine Plädoyers auf die Bedeutung der Verteidigung in Strafprozessen. Mehrmals wandte er sich direkt an die zahlreichen Zuschauer, die ihn außerhalb der Verhandlung gefragt hätten, „wie man denn solche Menschen verteidigen könne?“ Er sehe sich in der Funktion eines Fürsprechers, wie Verteidiger in der Schweiz bezeichnet würden. Er habe die Aufgabe seinen Mandanten zu verteidigen. Es sei nicht seine Absicht gewesen, eine „Notwehrsituation zu konstruieren“, wie ihm das von der Nebenklage unterstellt worden sei. Sein Mandant habe wesentlich zur Aufklärung beigetragen, in dem er unter anderem den Fundort des Tatmessers zeigt. Zwar habe Ömer S. „dieses fürchterliche Interview“ für RTL gegeben, aber er sei ansonsten ein „völlig unbeschriebenes Blatt“. Er beantragte eine Strafe unterhalb von 2 Jahren für den 19-Jährigen. „Es war ein ungleicher und unmännlicher Kampf“ an dem sein Mandant beteiligt gewesen sei, stellte Rechtsanwalt Thomas Klein fest. Sein Mandant habe sein Unrecht eingesehen und sei auf einem guten Weg. Für ihn sollte nach §27 Jugendgerichtsgesetz eine Strafe ausgeurteilt werden, deren Höhe erst dann zu bestimmen sei, wenn der 18-Jährige erneut auffalle. Die Verteidigerin des vierten Angeklagten, Marco E. (19) verwies darauf, dass ihr Mandant bei der Schlägerei an der Iburger Strasse und bei dem vorangegangen Raubüberfall im Schinkel nur anwesend, aber nicht aktiv gewesen sei. Sie beantragte einen Freispruch. Das Urteil wird am Montag, den 7. Mai um 14 Uhr verkündet.

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