Intensive Verschleierungshandlung: Leiche des Vaters im Osterfeuer verbrannt

Landgericht Osnabrück: 15-monatige Bewährungsstrafe für Tochter

„Die Strafkammer hat nicht die Aufgabe die moralische, sondern die strafrechtliche Verantwortung festzustellen.“ Mit diesen Worten leitete der Vorsitzende des Schwurgerichts am Landgericht Osnabrück die Begründung des Urteils im sogenannten „Osterfeuerprozess“ ein. Die Tochter eines 2009 gestorbenen 66-Jährigen wurde wegen gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung und Betruges zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Ebenso wie ihr mitangeklagter Ehemann, der ansonsten freigesprochen wurde, muss sie eine Geldstrafe von 800 Euro (Ehemann: 500 Euro) bezahlen, weil sie gegen das niedersächsische Bestattungsgesetz verstoßen hat. Die 40-Jährige hatte ihren alkoholkranken Vater, der vorher in einem eigenen Haus in Hunteburg gewohnt hatte 2008 zu sich, ihrem Mann und 2 Kindern auf einen kurz zuvor gekauften Resthof in Menslage geholt und die Betreuung für ihn übernommen. Der Vater lebte in einem separaten, umgebauten Backhaus. Der 66-jährige neigte auf Grund seiner Alkoholabhängigkeit zur Verwahrlosung, er war mehrfach in diversen Kliniken und Heimen, zur Entgiftung und Behandlung oder zur dauerhaften Unterbringung. In den Kliniken hatte man erhebliche medizinische Probleme fest gestellt, die behandlungsbedürftig waren. In den Heimen konnte man den Mann nicht behalten, weil er randalierte, andere Heimbewohner bestahl und verbal und handgreiflich gegen Pfleger vorging. Seine verschreibungspflichtigen Medikamente, die ihm seine Tochter von einem Hausarzt besorgte, der den Patienten nie gesehen hatte, nahm der alte Mann nur sporadisch. Die Tochter versorgte ihren Vater mit Lebensmitteln und bis zu 4 Flaschen Wein pro Tag. Außerdem beschaffte sich der Mann noch Schnaps bei einer Tankstelle in Menslage, was ihr bekannt war. Am 10.7.2009 habe sie den Vater, so hatte die Angeklagte berichtet tot in seiner Wohnung gefunden. In der Absicht ihre finanziellen Probleme nicht noch mehr zu vergrößern, habe sie der Rentenversicherung keine Meldung gemacht und bis April 2010 weiter 1500 Euro pro Monat kassiert. Ihr ebenfalls alkoholkranker Mann habe davon nichts gewusst. Er habe erst Anfang 2010 vom Versterben des Schwiegervaters erfahren. Dann habe er ihr geholfen die Leiche des Vaters in einer Scheune zu vergraben, um sie dann zu Ostern 2010 wieder auszugraben und im Osterfeuer zu verbrennen. Die Angeklagte habe nach dem Tode ihres Vaters „intensive Verschleierungshandlungen“ begangen, in dem sie dessen Schwestern gegenüber behauptet hätte, der Bruder sei nach Polen gezogen. Sie sch deshalb sogar an die polnische Grenze begeben, um dort mit der EC-Karte des Vater Barabhebungen zu tätigen. Außerdem habe sie aus Kostengründen dessen Hausratsversicherung gekündigt, in dem sie seine Unterschrift fälschte. Durch die tägliche Beschaffung von bis zu 4 Flaschen Wein, in dem Wissen, dass der Vater sich noch Schnaps besorgte, habe sie eine erhebliche gesundheitsschädliche Wirkung bewirkt und zugelassen. Der Vater habe seine „freie Willensbildung“ eingebüßt, die Tochter habe mit Vorsatz gehandelt, weil sie wollte, dass der Vater Ruhe gibt. Durch dieses Verhalten habe sie sich einer gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Hinzu käme, so das Gericht, ein Betrug und die Urkundenfälschung. Der Vorwurf eines Tötungsdeliktes scheide ebenso aus, wie die anfänglich angeklagte „Misshandlung von Schutzbefohlenen“. Die Angeklagte habe Reue gezeigt, sei nicht vorbestraft und habe eine Geständnis abgelegt. Eine Bewährungsstrafe sei für ihre Taten die angemessene Reaktion.

Audio: Pressesprecher des LG Osn. Holger Janssen zum Urteil

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