Messerstiche Iburger Strasse: „Matthias B. hatte keine Chance“

Jugendkammer Landgericht: Siebenhalb Jahre Haft für Michael Erol A.

Das Urteil der Jugendkammer im Prozess um die Messerstiche an der Lutherkirche folgte fast den Anträgen der Staatsanwaltschaft: Für siebeneinhalb Jahre soll Michael Erol A. (18) wegen Totschlages und schwerer räuberischer Erpressung in Haft. Der mitangeklagten Ömer S. (19) erhielt eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung. Sein 18-jähriger Bruder Hüseyin kam mit einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten davon. Er war an der Lutherkirche tatbeteiligt. Der vierte im Bunde, Marco E. (19) wird von der Justiz 18 Monate lang beobachtet, weil er ebenso wie Hüseyin S. Beihilfe zur räuberischen Erpressung am Virage im Schinkel geleistet hat. Sollte Marco E. in erneut auffällig werden, wird ein konkretes Strafmaß festgesetzt. Nach neun Verhandlungstagen stellte die Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück im vollbesetzten Schwurgerichtsaal fest, dass Michael Erol A. den Tod des 22-jährigen Matthias B. aus Ibbenbüren „billigend in Kauf genommen“ habe, als er während einer Schlägerei sein Messer gezogen hat und zweimal „mit großer Wucht“ zustach. Der vorsitzende Richter konnte den anwesenden Eltern und Schwestern des Getöteten eine erneute Schilderung der Ereignisse der Nacht des 18.9.2011 nicht ersparen. Gegen 2 Uhr morgens sei die Gruppe der Angeklagten, darunter auch der später tatenlos zusehende Marco E., an der Iburger Strasse auf eine Gruppe von 4 Mädchen und dem späteren Opfer Matthias B. gestoßen. Matthias B. soll sichtbar angetrunken gewesen sein. Die Mädchen kannten die jungen Türken aus der Schule und befürchteten eine Auseinandersetzung. Und tatsächlich: Es kam zu einem Rempler und einer verbalen Auseinandersetzung. Schimpfworten, Beleidigungen, Provokationen: „Was guckst du so Scheiße? Du deutsche Kartoffel.“ Die Mädchen versuchten Matthias B. wegzuziehen. Er fragte: „Was wollt ihr von mir? Nur weil ich Deutscher bin.“ Die drei Angeklagten, so das Gericht, hätten dann den gemeinsamen Tatentschluss gefasst, den angetrunkenen Matthias B. zu verprügeln. Mit obszönen Absichtbekundungen sei man hinter ihm hergestürmt und habe sich auf ihn gestürzt. Schläge und Tritte prasselten auf den „hoffnungslos unterlegenen“ Matthias B. ein. Man schleuderte ihn gegen eine Hauswand, gegen ein Auto, riss ihm sein T-Shirt über den Kopf. Marco E. stand rauchend daneben und fragte nur: „Was soll ich machen.“ Die Mädchen riefen per Handy die Polizei. Zu spät: Michael Erol A. zog sein Messer und stieß es Matthias B., der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, in den Rücken. Als er daraufhin feststellte, dass kein Blut am Messer war, stieß er erneut mit aller Kraft zu. Jetzt traf er den Bauchraum und verletzte eine tiefsitzende Hauptader. Die feigen Täter flüchteten, der schwer verletzte Matthias B. verstarb, trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen, um 3.20 Uhr im Krankenhaus. „Der stand immer noch. Ich wollte, dass er am Boden liegt.“ So hatte Michael Erol A. seine Absicht vor der Tat erklärt. Das Gericht schloss daraus: Er nahm den Tod des Kontrahenten in Kauf. Der jetzt 18-Jährige sei mit Ömer S. die treibende Kraft gewesen. So auch beim Messer-Überfall auf 4 Jugendliche am Virage im Schinkel, wo die 4 Angeklagten Handys und Bargeld erbeuteten. Der „Spontanentschluss“ zum Messereinsatz an der Lutherkirche durch den gewaltbereiten Michael Erol A. sei den Mitangeklagten nicht anzulasten. Sie hätten zwar gewusst, dass er „ständig mit einem Messer“ rumlaufe, aber nicht gebilligt, dass es verwendet wurde. Zum Schluss der Urteilsverkündung wandte sich der Richter direkt an die Angehörigen des Opfers: „Sie haben ihren Sohn, ihren Bruder verloren. Es verdient Respekt, dass sie diese Tage durchgestanden haben. Sie haben dem Opfer eine Stimme gegeben.

Audiobeiträge: Pressesprecher LG Osn., Verteidiger Frank Otten, Nebenklagevertreter Professor Dr. Bernhard Weiner

Diesen Beitrag teilen



Messerstiche Iburger Strasse: „Matthias B. hatte keine Chance“ - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt