Tod einer Lettin nach Drogencocktail

Landgericht Osnabrück: Zeitplan des Gerichts durch verspäteteten Angeklagten torpediert

Viel Geduld brauchte eine Berufschulklasse aus Melle, die sich einen Prozess im Landgericht Osnabrück anschauen wollte. Weil der 33-jährige Angeklagte aus Rheine erst anderthalb Stunden zu spät vor dem Schwurgericht erschien, geriet der geplante Ablauf am ersten Verhandlungstag völlig durcheinander. Drei Polizeibeamte aus der Grafschaft mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Schließlich kam es doch noch zur Anklageverlesung. Danach lieferte der Angeklagte dem Gericht in gebrochenem Deutsch drei Versionen der Nacht an deren Ende seine Frau an einer Mischintoxikation nach einem Drogencocktail gestorben war. Körperverletzung mit Todesfolge lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte Russlanddeutsche soll in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 2011 seiner Frau in ihrer gemeinsamen Wohnung in Bad Bentheim mehrmals mit ihrem Einverständnis eine Mischung aus Heroin und Kokain gespritzt haben und dabei leichtsinnig eine Überdosierung vorgenommen haben. In Folge sei es zu einer zentralen Lähmung gekommen, sodass die 33-jährige Lettin am frühen Morgen des 29. Juli verstarb. Der Angeklagte machte nach Anklageverlesung umfangreiche, aber sehr widersprüchliche Angaben zum Ablauf der Nacht. Am frühen Abend sei er mit dem Wissen seiner Frau nach Enschede gefahren und habe dort 1 g Heroin und 0,5 g Kokain für 50 Euro gekauft. Nach seiner Rückkehr, so lautete die letzte Version seiner Geschichten, habe er sich dann erst selbst und hernach seiner Frau eine Mischung aus den beiden Drogen aufbereitet und anschließend gespritzt. Dieser Vorgang wiederholte sich dreimal, notierte sich der Schriftführer der Strafkammer. Am nächsten Morgen sei er um 9 Uhr erwacht und habe ohne Erfolg versucht seine Frau zu wecken. Schließlich habe er sie hochgenommen: „Aber das hat nix gebracht,“ erzählte der Angeklagte ohne jede erkennbare Regung. Schließlich habe er dann den Notarzt verständigt. Irgendwann erwähnte er dann noch auf Nachfrage, dass die gemeinsame 2-jährige Tochter in der Nacht ebenfalls in der Wohnung schlief. Die herbeigerufene Notärztin – die übrigens nicht der Ladung des Gerichtes Folge leistete und ein Ordnungsgeld von 300 Euro bezahlen muss – konnte in der Wohnung nur noch den Tod der jungen Mutter feststellen. Der Prozess wird am 13. Juni um 9 Uhr fortgesetzt.

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