Massenschlägerei auf der „Elseparty 2010“: Jeder prügelte sich mit jedem

Landgericht Osnabrück: Zeugen im Vorfeld des Totschlagprozesses bedroht?

Am zweiten Tag des Prozesses gegen fünf Angeklagte aus Bünde, Kirchlengern und Minden vor dem Landgericht Osnabrück wegen versuchten Totschlags waren 3 Zeugen geladen. Da die Aussage des zweiten Zeugen zahlreiche Fragen aufwarf, wurde er mit dem dritten Zeugen, der überhaupt nicht gehört wurde, zu Freitag erneut geladen. In der Nacht des 1.8.2010 soll es, laut Anklage, am Grünen See in der Nähe von Melle anlässlich einer Benefizveranstaltung, die unter dem Namen „Elseparty“ firmierte, zu einer Schlägerei unter den Gästen gekommen sein. Für einen 32-Jährigen hatten die Schläge und Tritte gegen seinen Kopf und Körper fast tödliche Folgen: Er erlitt eine schweres Schädelhirntrauma und Rippenbrüche. 150 Gäste sollen sich auf dem Festgelände in teilweise starkbetrunkenem Zustand befunden haben, als eine „blonde Frau mit Zöpfen“ sich halb entkleidete und mit Männern zusammen „pogte“ (Rempeltanz). Die Frau habe „körperlichen Kontakt zu Männern“ gesucht. Das berichtete eine 25-jährige Zeugin, deren tätowierter Körper auf ihre Berufstätigkeit verwies. Die junge Tätowiererin war selber in der Nacht „stocknüchtern“, weil sie keinen Alkohol trinkt. Als sie von einem Dixieklo gekommen sei, berichtete sie, habe es plötzlich eine „Massenkarambolage“ gegeben. Nach ihrer weiteren Aussage, die kaum verwertbare Angaben aufwies, hielt ihr der Richter das Polizeiprotokoll vor, in welchem die Zeugin zwei Angeklagte deutlich belastet hatte. „Da habe ich übertrieben,“ entgegnete die 25-Jährige. Sie sei sauer gewesen und habe dem 41-Jährigen Hauptangeklagten, der eine bekannter Kickboxer sei, „eine reinwürgen wollte“. Vom zweiten Akt der Schlägerei auf dem Parkplatz oberhalb des Festgeländes, bei dem das Opfer schwer verletzt wurde, habe sie überhaupt nichts mitbekommen, weil es „stockenzappendüster“ gewesen sei. Den Grund für die offensichtlichen Widersprüche arbeitete die Vertreterin der Nebenklage heraus. Sie konfrontierte die Zeugin mit der Tatsache, dass sie nach den Ereignissen Kontakt zum Kickboxer „Niete“ gehabt habe. „Das war berufstechnisch bedingt“, entgegnete die Zeugin. Nebenklägerin: „Ist es denn wahr, dass man Ihnen im Vorfeld des Prozesses gedroht hat, Ihren Laden zu zertrümmern“, wenn Sie aussagen?“ Die Zeugin wollte das so nicht bestätigen. Es sei aber wahr, dass sie mit dem Angeklagten 15 Minuten über die Schlägerei gesprochen habe und „die andere Seite gehört“ hätte. Das es Bedrohungen von Zeugen gegeben habe, sagte berichtete ein 39-Jähriger dem Gericht. Ihm sei mitgeteilt worden, dass 4000 – 5000 Euro bereitliegen würde, wenn er nicht aussagen würde, andernfalls solle er „sich dreimal überlegen, ob er das tun wolle“. Die „Massenschlägerei“ sei entstanden, so der Zeuge, nachdem eine blonde Frau auf der Bühne „ihren Oberkörper frei gemacht“ habe. Sein Bekannter Tommi, das spätere Opfer, soll der Frau kurz darauf die verhängnisvolle Frage gestellt haben: „Du bist wohl auch eine, die jeder haben kann?“ Darauf hin habe die Frau ihn, den Zeugen, angegriffen und ihr Freund „Niete“, sei auf Tommi losgegangen. „Ihr Bein kam hoch. Sie wollte meinen Kopf treffen.“ Er habe ausweichen können. Dann flogen „Tische und Bänke.“ Jeder habe sich mit jedem geprügelt, führte der 39-Jährige weiter aus und kommentierte: „Richtig dümmlich.“ Tommi habe verletzt auf dem Boden gelegen und er habe ihn nach oben zum Auto geschleppt und dort reingelegt. Wenig später sei dann der „ganze Pöbel“, cirka 15 Leute, die Strasse hoch gekommen und hätten gestänkert und geschubst. Eskaliert sei das ganze, als Tommi aus dem Auto gekrabbelt sei. Da habe einer gerufen: „Da ist ja das Schwein.“ Wer dann wen getreten und geschlagen hat, will das Gericht am kommenden Verhandlungstag klären. Zu den Lichtverhältnissen sagte der Zeuge schon mal: „Es war nicht ganz dunkel.“

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