Geldstrafe für arbeitslosen lettischen Fleischer reduziert

Landgericht Osnabrück: Juristische Aufarbeitung eines tödlichen Unfalls in Gildehaus abgeschlossen.

In einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht ging es noch einmal um den tragischen Unfalltod eines 21-jährigen Mannes im September 2011 in Gildehaus. Das Amtsgericht Nordhorn hatte einen 32-jährigen Letten am 28.2.2012 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt. Gleich zu Beginn der Verhandlung machte die Rechtsanwältin des Angeklagten deutlich, dass dem Angeklagten der angesetzte Tagessatz von 30 Euro zu hoch erschien. Somit stand der Sachverhalt, den das Amtsgericht Nordhorn im Urteil festgehalten hatte, nicht mehr in Frage. Danach hatte der Lette am frühen Morgen des 10.9.2011 um 5 Uhr die Hengeloer Straße in Richtung Bad Bentheim mit einem Transporter seines Arbeitgebers befahren, als er plötzlich in Höhe der Euregiostraße eine Person auf der Fahrbahn erkannte. Eine sofortige Vollbremsung reichte nicht mehr aus, um einen Unfall zu vermeiden. Der von dem VW-Bulli erfasste 21-Jährige wurde 25 m weit geschleudert. Die Lichtverhältnisse an der Straßeneinmündung, so das Urteil, waren gut, weil sie durch eine Straßenlaterne ausgeleuchtet ist. Eine gutachterliche Untersuchung des VW-Bulli und eine Spurenauswertung ergab, dass die Geschwindigkeit des Fahrzeuges vor dem Aufprall 87 km/h betragen haben muss. Am Unfallort, innerhalb der geschlossenen Ortschaft, sind nur 50 km/h erlaubt. Im Urteil heißt es: „Der Fahrer hätte den Unfall vermeiden können, wenn er vorschriftsmäßig gefahren wäre.“
Die finanzielle Situation, des Letten, der eigens für den Prozess aus der Nähe von Riga (Lettland) angereist war, hat sich seit dem Nordhorner Urteil verschlechtert. Bis Juli 2012 hat er für eine „deutsche Gesellschaft“ als Fleischer gearbeitet und 1200 Euro netto verdient. Ihm sei, so ließ er von der Dolmetscherin übersetzen, gekündigt worden. Man habe ihm einen Monat Lohn vorenthalten und auch kein Urlaubsgeld erhalten. Außerdem lebe er in Scheidung und seine Frau beanspruche Unterhalt für die gemeinsame, achtjährige Tochter. Zur Zeit würde er, so der Angeklagte, von seinen Eltern alimentiert, da er in Lettland nur 150 Euro Arbeitslosengeld erhalte. Seine Verteidigerin, wie auch die Staatsanwältin sahen es als gegeben an, den Tagessatz von 30 Euro auf 5 Euro zu senken. Die Richterin schloss sich den entsprechenden Anträgen an und erkannte dem 32-Jährigen die Möglichkeit zu, die Geldstrafe in Monatsraten von 30 Euro abzuzahlen. Beide Prozessparteien verzichteten auf weitere Rechtsmittel.


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