Satan saß mit blitzenden Augen auf der Treppe

Landgericht Osnabrück schickt wahnbehafteten Messerstecher auf unbegrenzte Zeit in die Psychiatrie

Osnabrück (kno) – Auf unabsehbare Zeit muss ein 28-Jähriger in die Psychiatrie, weil er am 13.4. dieses Jahres im Zustand der Schuldunfähigkeit in Bramsche-Engter einen 31-Jährigen erstochen hat. Das Urteil des Landgerichts nahm der Angeklagte ohne sichtliche Regung entgegen und verzichtete anschließend auf Rechtsmittel. Es hatte eine ausgelassenen, friedliche Feier werden sollen: Zwei junge Frauen hatten eine neue Wohnung bezogen und Freunde zur Einweihungsparty eingeladen. Als erster Gast erschien der freundliche Helfer aus dem Erdgeschoss des Hauses an der Bramscher Allee. Er brachte Blumen und eine Flasche Jägermeister mit, die er später, nachdem weitere Gäste eingetroffen waren, alleine zu einem Drittel lehrte. Den anderen Feierenden fiel der Nachbar durch Geschwätzigkeit auf. Richtig auf- und ausfällig wurde der 28-Jährige nachdem um 23.47 Uhr der Strom ausgefallen war und der Raum nur noch durch Kerzen erleuchtet war. Grundlos rief er „Arschlöcher, haltet die Fresse“ in den Raum. Weitere Entgleisungen folgten, sodass Freunde des Gastgeberinnen den renitenten Nachbarn zur Tür begleiteten. Es kam zu einem Handgemenge auf dem Flur, aus dem sich der Nachbar unvermittelt löste, um in seiner Wohnung zu verschwinden und ein Messer mit 18 cm Klingenlänge zu holen. Wenig später brüllte er im Flur: „Den bring ich um“ und erschien vor der verschlossenen Wohnungstür. Als ein 31-Jähriger Gast die Tür öffnete, stach der Nachbar zweimal zu. Wenig später legte er sich in seiner Wohnung mit 2,3 Promille schlafen. Dort wurde der Angeklagte um 0.18 Uhr von Polizeibeamten unsanft geweckt. Der niedergestochene 31-Jährige war in der Zwischenzeit mit einer lebensgefährlichen Verletzung im Oberbauch ins Krankenhaus verbracht worden, wo er drei Tage später an Multiorganversagen verstarb. Ein Gutachter beschäftigte sich anlässlich des Prozesses vor dem Landgericht mit der Psyche des Angeklagten und dessen Vorgeschichte. Der Mann kam 1991 nach Deutschland, nahm Drogen und trank Alkohol und ist seit 2005 öfter mit verschiedenen Psychiatern in Kontakt getreten, weil er unter halluzinatorischer Schizophrenie leidet. Bereits anlässlich eines Verfahrens vor dem Amtsgericht Bersenbrück wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den Angeklagten war dieses Krankheitsbild Thema, wurde aber nicht weiter verfolgt. Weil der Angeklagte am 13.04 zur Tatzeit keine Einsichtsfähigkeit in sein Handeln gehabt habe, aber dennoch einen Tötungsvorsatz entwickeln und umsetzen konnte, sei er vom Mordvorwurf freizusprechen, so die Strafkammer: „Die Tat erfolgte ohne Schuld, bleibt aber nicht ohne Folgen,“ so der Richter. Da vom Angeklagten eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe, sei die zeitlich nicht begrenzte Unterbringung in der Psychiatrie anzuordnen. Dass er unter Wahnvorstellungen leide, hatte der 28-Jährige auch dem Gutachter mitgeteilt. Vor der Tat habe er auf der Treppe den „Satan mit blitzenden Augen sitzen“ gesehen.

Diesen Beitrag teilen



Satan saß mit blitzenden Augen auf der Treppe - Auf Twitter teilen.

Sei der erste, dem das gefällt