Tötungsdelikt Nordhorn Boerweg: Auftragskiller aus Amsterdam?

Landgericht Osnabrück: Angeklagter schweigt.

Am zweiten Prozesstag gegen einen 61-jährigen Niederländer wegen Totschlags sagte die Freundin des Bruders vom Angeklagten und ein Gerichtsmediziner aus.
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 11. Mai 2016 den 50-jährigen Juan Alvarez aus Amsterdam mit einer Repetierbüchse erschossen zu haben. Die in einem Waldstück vergrabene Leiche des Getöteten war am 1. August 2016 nach einer aufwändigen Suchaktion am Boerweg in Nordhorn entdeckt worden. Hintergrund des Totschlags, so wird vermutet, könnte die Entdeckung einer illegale Hanfplantage auf dem Gelände gewesen sein, die wenige Tage nach der Tat ausgehoben wurde. Der Angeklagte bestreitet die Tat und macht vor Gericht keine Angaben.
Die Freundin des Bruders, der wegen einer anderen Straftat in den Niederlanden im Gefängnis sitzt, wußte nichts von der Hanfplantage in einem Nachbargebäude. Sie beschrieb das Verhältnis zwischen den Brüdern als relativ normal. Zwar habe es gelegentlich Streit wegen finanzieller Probleme gegeben, aber zu Handgreiflichkeiten sei es nicht gekommen. Die Zeugin ist nicht von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt. Der Staatsanwalt fragte sie: „Was vermuten Sie denn?“
“Das war ein Auftragsmörder aus Amsterdam,“ lautete die spontane Anwort.
Der vorsitzende Richter verlas das Wortprotokoll eines mitgeschnittenen Telefonats der Zeugin mit der Schwester des Angeklagten. Diese sagt darin: „Er hat gestanden.“ Das habe sie, die Schwester vom Anwalt der Angeklagten erfahren. Die Zeugin zweifelte aber am Wahrheitsgehalt der Aussage, weil sie die Schwester grundsätzlich für unglaubwürdig hielt.
Weiterhin berichtete die Zeugin von einem langen Stromkabel vom Wohnbereich des Angeklagten zu einem Nachbargebäude und von einer Stromkostennachzahlung von 5000 Euro.
Der Gerichtsmediziner erläuterte dem Gericht die Ergebnisse der Obduktion. Die Leiche sei nach dem mehrmonatigen Einlagern in 70 bis 80 Zentimeter tiefen, feuchten Loch bereits erheblich „fäulnisverändert“ gewesen. Trotzdem sei es gelungen, eine 7 mm große Eintrittsstelle eines Projektiles auf der Stirn und den Schusskanal festzustellen. Ausserdem, so der Patologe, wie der Schädel weitere Verletzungsspuren auf. Die Schussabgabe sei ausgeringer Nähe, aber nicht aufgesetzt, erfolgt. Im Kopf des Getöteten wurde ein Projektil gefunden.
Der Prozess wird am 3. April fortgesetzt.

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