10 Jahre Haft für Totschlag am Boerweg

Landgericht Osnabrück: Schwurgericht ist von der Schuld des 61-Jährigen überzeugt.

Das Landgericht hat nach einem Indizienprozess den 61-jährigen Niederländer Roelof B. wegen Totschlages zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt.
Nach sieben Prozesstagen ist die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück überzeugt, dass der Angeklagte seinen ehemaligen spanischen Mitarbeiter Juan Alvarez (51) in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 2016 erst mit einem Gegenstand den Kopf zertrümmert hat und ihn danach mit einem gezielten Schuss aus einem Kleinkalibergewehr in die Stirn tötete. Anschließend habe er, so das Gericht, den Leichnam auf dem hinteren Teil eines Grundstücks am Boerweg in Nordhorn vergraben. Die Leiche des Getöteten war Anfang August 2016 nach sehr umfangreichen Ermittlungsarbeiten in 80 Zentimeter Tiefe entdeckt und später untersucht worden. Die Aufklärung des Falles war das Ergebnis der Zusammenarbeit von niederländischen und deutschen Ermittlern. In Gang gesetzt wurden die Ermittlungen durch eine Vermisstenanzeige der Freundin des Verstorbenen bei der Amsterdamer Polizei. Bereits am 12.5 wurde das Portemonnaie von Juan Alvarez in Amsterdam gefunden, später entdeckten Polizisten sein Auto und sein Mobiltelefon. Es folgten Befragungen und Telefonüberwachungen. In einem Gespräch mit seinem Bruder, der ebenfalls am Boerweg in Nordhorn wohnte, offenbarte der Angeklagte seine Kenntnis über den späteren Fundort der Leiche.
In einer Halle neben dem angemieteten Resthof am Boerweg war am 18.5.2016 eine Hanfplantage mit 127 Setzlingen von Drogenfahnder ausgehoben worden. Zu diesem Zeitpunkt ahnten die Polizeikräfte noch nicht, was sich wenige Tage zuvor auf dem Gelände abgespielt hatte. Allerdings wurde eine Repetierbüchse sichergestellt, die, davon ist das Gericht überzeugt, die Tatwaffe war. Sie gehörte dem Angeklagten. Das im Kopf des Getöteten gefundene Projektil könnte aus der Waffe verschossen worden sein. Eindeutigere Aussagen konnte das Landeskriminalamt nicht machen. Allerdings wurde DNA-Material am Lauf und der Mündung gesichert, das dem Opfer zugeordnet werden konnte. Auch im Lauf wurden Gewebeproben gefunden, die von Juan Alvarez stammen können.
Zur Motivlage konnte das Gericht keine eindeutige Feststellung treffen. Es könne, so die Kammer, ein Streit über die Hanfplantage gewesen sein. Juan Alvarez habe Ausstiegspläne geäußert. Möglich sei aber auch, dass es um schleppende Renovierungsarbeiten im Nachbarhaus gegangen sei. Der Angeklagte hatte sich weder bei der Polizei noch im Prozess dazu geäußert. Eine von der Verteidigung ins Gespräch gebrachte mögliche Täterschaft des Sohnes oder des Bruders von Roelof B. schloss die Kammer aus. Die Theorie, dass ein Unbekannter den Spanier erschossen haben könnte, bezeichnete das Gericht als „lebensfremd“. Dieser Unbekannte hätte sich auf dem Gelände unerkannt aufhalten müssen, um dann mit dem Gewehr des Angeklagten den 51-Jährigen zu erschießen und anschließend zu vergraben. Die Gesamtschau der Indizien, so das Schwurgericht, lasse nur einen Schluss zu: Der Angeklagte habe in Tötungsabsicht den Spanier erst niedergeschlagen und dann erschossen. Mordmotive habe man nicht nachweisen können.
Für Verteidiger Daniel Halver ist die Urteilsbegründung nicht überzeugend. Er erklärte nach der Urteilsverkündung, dass er eine Revision prüfen werde: „Für meinen 61-jährigen Mandanten bedeutet dieses Urteil quasi ein lebenslänglich.“

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